Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 48. Band.1923
Seite: 76
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ARCH. O. PRUTSCHER-WIEN m WOHNUNG NOVAK IN WIEN: SESSEL U. ARMSTUHL IM SPEISEZIMMER

FARBIGE ARCHITEKTUR

Magdeburg ist durch seinen Stadtbaumeister
Taut plötzlich zu einer Art Berühmtheit
und Sehenswürdigkeit geworden. Taut streicht
alte Häuser an und will dadurch der Farbe
wie der Architektur in gleicher Weise zu neuen
Ausdrucksmöglichkeiten verhelfen. Der Künstlerwitz
hat bereits seine Kritik geübt, indem
er das bekannte Wort von Fried. Schlegel:
„Architektur ist gefrorene Musik" ergänzte: „und
in Magdeburg taut's." Mit dieser ablehnenden
Pointe ist das Problem natürlich nicht gelöst,
noch endgültig bewertet; auch nicht in den
gegenwärtigen Leistungen.

Was Taut will, ist an sich nichts Neues,
nur die Art, wie er es durchführt, kann hierauf
einigen Anspruch erheben. Taut hat Freude am
Sensationellen und besitzt außerdem eine bemerkenswerte
Fähigkeit, Alt- und Allbekanntes
durch eine verblüffende Wendung als etwas Besonderes
, als eine Entdeckung oder Erfindung
erscheinen zu lassen. So hat er in seinem Buch
„Stadtkrone" die jedem städtebaulich Interessierten
längst vertraute Gipfelung mancher Stadtbilder
, die typisch deutsch ist, mit schwärmerischer
Phantasie und moderner Kabbalistik wildromantisch
aufgebauscht. Ähnliches gilt von
seiner Berg-, Wasser- und Glasarchitektur, wie
von seinen Äußerungen im „Frühlicht", wo das
Licht vor allem in künstlerische Rechnung gezogen
wird. Ähnlich steht es um seine Behandlung
der Farbe. Von diesem Wesenszug des
Künstlers aus muß man auch seine Magdeburger
Versuche bedenken: es geht ein stark
reklamehafter Zug durch die Art, wie er seine
Gedanken verwirklicht. So liebt er auch die
expressionistische Gebärde, die selbst vor der
Grimasse nicht zurückschreckt. Neben zweifellos
Geglücktem und einzelnem Ausgezeichneten findet
sich noch mehr Mißglücktes und Problematisches
. Bei allem bleibt das Verdienst, auf eine
ebenso wichtige wie interessante Kunstwirkung
weithin vernehmlich hingewiesen zu haben.

Da die Gefahr einer gedankenlosen und willkürlichen
Nachahmung, einer Mode, naheliegt
und dadurch das Gute und Zukunftsreiche gefährdet
wird, empfiehlt sich eine grundsätzliche
Stellung zur Farbe in der Architektur.

Farbige Architektur, nicht bloß im Innern,

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