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L. ERNST-
DÜSSELDORF
KAMINECKE
INNENEINRICHTUNGEN VON L. ERNST-DÜSSELDORF
Wenige Künste sind so sehr wie die Kunst
des Innenausbaues an die Bedingungen
gebunden, welche die Menge und Art des verfügbaren
Materials sowie die wirtschaftliche
Kraft der Abnehmer dem formenden Willen
setzen. Sie will und soll Gegenstände eines
relativ allgemeinen Gebrauchs, nicht Einzelobjekte
für Liebhaber schaffen und muß deshalb
ständig Rücksicht darauf nehmen, welche
Materialien in der genügenden Quantität und
ohne eine für die Abnehmer unerträgliche
Verteuerung zur Verfügung stehen. Insofern
gehört die wirtschaftliche Notlage, in die sich
Deutschland immer mehr hineingeführt sieht,
mit zu den Faktoren, von denen sich die deutsche
Innenarchitektur in ihrer gegenwärtigen
Entwicklung muß bestimmen lassen. Es ist
eine glückliche Fügung, daß diese Rücksicht
sie nicht etwa nötigt, von der bisher verfolgten
Linie abzugehen, vielmehr mit gewissen
Grundrichtungen der neuerlichen Entwicklung
aufs beste zusammentrifft. Der neuerwachte
Sinn für Wahrheit und Echtheit des Formenausdrucks
hat schon seit längerem dazu geführt
, daß gewisse Dekorations- und Schmuckmotive
, die lange Zeit in der Innenarchitektur
allzusehr vorgeherrscht hatten, zurückgedrängt
wurden und dafür eine Wirkung durch schlicht
gegliederte, von unnötigem Beiwerk entlastete
Flächen, gleichmäßige Farbtöne, großzügigeinfache
Raumdispositionen erstrebt wurde.
Tapeten, Decken, Vorhänge, die zuvor durch
auffallende Muster und Farben den Blick vom
wesentlichen Inhalt des Raumes abgelenkt
hatten, wurden so zu dem, was sie sein sollten
: Hintergrund und Folie. Desgleichen wurden
Beleuchtungskörper, Kamine u. dergl. von
dekorativer Überlastung befreit, auf vornehm
zurückhaltende Wirkungen abgestimmt. Im
Zusammenhang mit diesen Bestrebungen ist
dann auch früher minder geschätzten einheimischen
Holzarten, wie Birke, Ahorn und Platane
, erhöhte Beachtung geschenkt und erkannt
worden, daß sich bei rechter Behandlung und
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