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PROF. BRUNO PAUL-BERLIN MAPPENSCHRANK MIT INTARSIEN UND VISTRAWANDSTOFF
AUF DER DEUTSCHEN GEWERBESCHAU MÜNCHEN
DEKORATIONSKUNST UND ECHTE FARBEN
Wenn sich der Künstler seinem
Gefühl überläßt, meldet sich
gleich etwas Farbiges.
Goethe
Die Freude an den Farben und ihre Umsetzung
ins praktische Leben, die Färberei,
ist so alt wie die Menschheit. Jedem, auch dem
rohesten Menschen eignet ein gewisser Kunsttrieb
, und keine Kunst, keine Dekoration im
weitesten Sinne ist ohne Farben denkbar. Farben
drücken im Leben des Menschen Freude
und Trauer aus, sie erhöhen seine Existenz,
sie geben Stimmung und sie befriedigen ein
unzweifelhaft vorhandenes physiologisches Bedürfnis
des menschlichen Auges. — Über die
Geschichte der Farben und der Färberei haben
wir nur dürftige Nachrichten, aber so viel ersehen
wir doch, daß die Färberei schon in
vorgeschichtlichen Zeiten auf keiner geringen
Stufe stand und daß zu allen Zeiten der Glanz
der Farben geschätzt wurde; ist doch der Purpur
der Alten gleichbedeutend mit fürstlicher Macht
geworden. Selbstverständlich war immer das
Bestreben vorhanden, die Farben nicht nur
schön, sondern auch dauerhaft zu machen und
ebenso selbstverständlich wurden allezeit gute
Farben mit schlechten nachgeahmt. Immer
wieder im Laufe der Jahrhunderte lassen sich
die Bemühungen erkennen, durch geeignete
Verordnungen und Vorschriften aller Art echte
Färbungen sicherzustellen und zu erzwingen.
Der um die Industrie Frankreichs hochverdiente
Minister Ludwig XIV., Colbert (f 1683),
hat in einem Edikt von 1671 hierüber ausführliche
Bestimmungen erlassen; als erster stellte
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