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sein Bestes hergab und gerade die ihm eigentümliche
Schönheit ausstrahlt. Es ist als ob die
Taschnerschen Hände es nur zu berühren und
zu bearbeiten brauchten, um das in ihnen schlummernde
eigene Leben zu schöner Form zu erwecken
. Die verschiedenen Dinge: Haus, Ofen,
Schloß, Stuhl scheinen auch immer unmittelbar
aus dem Material und einem ihnen genehmen
, entgegenkommenden Formwillen hervorgegangen
. Der den Dingen eigene Charakter
rundete sich zur Form, so wie aus der Pflanze,
Blüte, Knospen, Früchte hervorsprießen. So erscheint
diese Kunst im Taschnerschen Hausgestühl
wie eine bodenständige Frucht. Aus
der heimischen Scholle, aus Vaters Erbe und
aus dazu Erworbenem, erwuchs dieser „Stil" aus
dem Eigenen, erscheint als ein gewordenes und
gewachsenes Produkt, das gerade Gegenteil von
jenem Allerweltsgemenge — dem dekorativen
Stil von heute. Man spürt das auch im Hause
und fühlt sich darin wie daheim. Auf Schritt
und Tritt glaubt man sich an unsere Vergangenheit
erinnert und meint, das deutsche Haus
und die deutsche Stube könnten seit Dürers
Zeiten her gar nie anders gewesen sein. Das
war auch einmal so, als der Zeitstil noch Volksgut
war und noch eine Einheit im vielfältigen
Ganzen waltete. Doch lassen sich mit all unserer
Einsicht und mit all unserem Bemühen
Tote nicht mehr zum Leben erwecken. Man
kann das, was einmal Form war, nicht mehr
wiedererstehen lassen, wenn der lebendige Geist
daraus entschwunden ist. Daß sich aber der
Geist im Hausgestühl immer wieder erneut und
lebendig wird, dafür zeugt das Taschnerhaus,
und darum kann zu einer Wiedergeburt des
deutschen Geistes im Hausgestühl uns dieser
Künstler ein Führer werden. A. H.
mm
IGNATIUS TASCHNER f
OFENKACHEL
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