Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 48. Band.1923
Seite: 173
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modelleurs früh lernte. Die Zeichenschule der
Dresdner Kunstgewerbe - Akademie, ein kürzerer
Aufenthalt in München und drei Jahre
an der Unterrichtsanstalt am Berliner Kunstgewerbemuseum
bei Wackerle vollendeten dann
die künstlerische Ausbildung Oppels. Sein
selbständiges künstlerisches Schaffen wurde
durch den Krieg unterbrochen, den er nicht
gerade zu seiner Freude zumeist in einer Munitionsfabrik
erlebte. Mit dem Frieden kehrte
er zu seiner künstlerischen Arbeit zurück. Seit
1920 lebt er wieder in Dresden, wo er seine
künstlerische Laufbahn als Zeichenschüler begonnen
hat.

Oppels Figuren und Gruppen sind echte Porzellankunst
. Daß sie den Schöpfungen der
Rokokozeit ähneln, ist selbstverständlich. Denn
das ist ja das Erstaunliche an der Rokokoplastik
, daß sie ohne jede Entwicklung sofort
in vollendeter Stilgerechtheit vor die hocherfreuten
Zeitgenossen hintrat. Dem Stil des
Rokoko kam das damals neue Material weit
entgegen; seine Schmiegsamkeit entsprach der
Launenhaftigkeit des Zeitalters
und seines Stils. Alles
was das 18. Jahrhundert
in seiner Kunst Liebenswürdiges
und Reizendes
hat, das ist auch — so
sagt Gottfried Semper —
in sämtlichen Porzellanbildwerken
aus der mittleren
Zeit des 18. Jahrhunderts
vorhanden. Diesen
klassischen Stil der
Meißner Porzellanfiguren
jener Zeit hat Friedrich
Schlie, der verstorbene
Direktor des Schweriner
Museums, in glücklicher
Weise in folgenden
Worten gekennzeichnet:
„Wenn wir den Charakter
plastischer Modellierung
in jener Zeit schärfer
zu erkennen suchen,
so ist es neben der eindringenden
Erfassung des
Wesens jener Zeit, neben
der Lebendigkeit und
Wahrheit in der Wiedergabe
von Haltung, Stellung
und Kostüm, neben
der oft glänzenden Geschicklichkeit
in der Anordnung
der Gruppen, neben
Leichtigkeit, Anmut
und Grazie in den Bewe- gustav oppel

gungen, neben Mannigfaltigkeit in der Behandlung
der Gesichter, in deren Ausdruck alle Temperamente
, Stimmungen und Empfindungen und
auch nationale Unterschiede in oft sehr überraschender
Weise zu ihrem Rechte gelangen:
— so ist es, sage ich, neben diesen das Geistige
in der Kunst bezeichnenden Eigenschaften vor
allem eine gewisse Formenschärfe, welche auffällt
, eine Modellierungsweise, die von vorneherein
auf das Schwinden der Masse beim Brennen
Rücksicht nimmt, das Verhältnis richtig berechnet
und demgemäß alle Ecken, Kanten und
Biegungen markierter herstellt, als sie in Wirklichkeit
sind. Der auf Porzellan abzielende Plastiker
muß bei seiner Arbeit den Wunsch haben,
aus dem mit annähernd vollkommener Gleichmäßigkeit
des Stoffes hergestellten plastischen
Teig, den er knetet, die Formen so zu gestalten,
daß gerade durch das unausbleibliche Schwinden
im Brande zuletzt so viel als irgend möglich
jene Wahrheit der Natur erreicht werde,
von der er sich um des Brennens willen beim
Modellieren durch Übertreibung der Schärfe

seiner Formen absichtlich
entfernt hat. Daß hierin
im Vergleich zu anderen
Gattungen der Plastik
eine besondere Klippe der
Porzellanplastik liegt, und
daß es sich dabei um
Schwierigkeiten handelt,
deren Überwindung nicht
jedermanns Sache ist, läßt
sich leicht einsehen." Der
Zeitgeschmack, dem die
Porzellankunst des Rokoko
entsprach, ist dahingeschwunden
, aber die
Porzellanmasse mit ihrer
Bildsamkeit, die jedem
Druck der Hand willig
folgt, ist dieselbe geblieben
; geblieben ist die
Feuertechnik des Brennens
, die zuweilen so launenhaft
ist, beim Schwinden
der Masse die Formen
leicht zu ändern; geblieben
sind also die Bedingungen
des Materials und
der Technik, die dem Porzellanbildner
vorschreiben
, nicht streng und klassisch
zu schaffen, sondern
leicht, graziös, frisch und
lebendig. Das kann der
Porzellanplastiker der
Nachtwächter Rokokoplastik ablernen,

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