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TIERKREISZEICHEN FÜR DAS DEUTSCHE MUSEUM IN MÜNCHEN a NACH ENTW. VON O. HUPP-SCHLEISZ-
HEIM MODELLIERT VON F. NACHTMANN-MÜNCHEN ; IN KUPFER GETRIEBEN VON F. RAGALLER-MÜNCHEN
TIERKREIS-ZEICHEN
Das Deutsche Museum auf der Münchener
Kohleninsel, wie ein groteskmassiges Schiff
auf den grünen Isarwogen daherschwimmend,
schreitet in seiner baulichen Entwicklung nur
äußerst langsam vorwärts. Zwei Baumeister hat
das Riesenwerk rasch nacheinander durch den
Tod verloren, und verwaist, eines künstlerischen
Gestalters bar, steht das Gebäude immer noch
als Torso da. Besonders der Innenausbau ist
noch weit zurück; von dem dekorativen Beiwerk
aber ist bis zur Stunde nur sehr wenig in
die Erscheinung getreten. Das Wenige allerdings
ist von hohem künstlerischem Wert. Julius Diez
hat unlängst im Ehrensaal sein mächtiges Deckengemälde
vollendet (s. Septemberheft 1921), und
nun trat ein neues Werk hinzu, das um so wichtiger
ist, als es, wenn schon nicht entscheidend,
so doch mitbestimmend in der Fassade wirkt.
An dem Turm, der die astronomischen Geräte
birgt und die Sternwarte beherbergt, waren
von Gabriel Seidl als plastischer Schmuck die
Zeichen des Tierkreises vorgesehen. Sie zu entwerfen
, berief er, abweichend von der Schablone,
daß die Plastik auch in ihrer Projektierung unbedingt
auf einen Bildhauer zurückgehen müsse,
den Münchener Graphiker Otto Hupp. Die
prächtigen ornamentalen Tierkreisdarstellungen
in den vielen Bänden seines „Münchner Kalenders
" qualifizierten Hupp für diesen Auftrag
. In mannigfaltiger Weise hatte er dort
die Zeichen des Tierkreises gestaltet: nie in
Ausnutzung der graphischen Möglichkeiten die
Darstellung zerfasernd oder verschnörkelnd und
übermäßig auflockernd, sondern fest und gedrungen
aufbauend in knapper, markenhafter
Prägung, alles Überflüssige und Zufällige ausschaltend
. Diese graphischen Vorspiele kamen
den Entwürfen für die Reliefs, die in sehr stattlichen
Ausmaßen hergestellt wurden, zugute.
Strenge Konzentration, ohne irgendwelche Nüchternheit
oder gar Ärmlichkeit kennzeichnet ihr
Wesentliches. Ein klarer Rhythmus geht durch
das Werk, wird in jedem Einzelbild verspürt,
faßt aber zugleich, von einem zum andern übergehend
, das ganze zwölfteilige Werk zu einer
hohen stilistischen Einheit zusammen, Nirgends
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