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M.E.PHILIPP EXLIBRIS (RADIERUNG)
MARTIN E. PHILIPP
Im Gegensatz zu anderen großen Städten wie
1 München, Leipzig oder Berlin hat Dresden
lange Zeit auf dem Gebiete der freien und
angewandten Graphik nur wenige Namen und
Leistungen von mehr als lokalem Interesse aufzuweisen
gehabt. Viele wußten von Dresdener
Graphikern eigentlich nur Richard Müller zu
nennen, dessen Name weithin bekannt ist, ohne
daß freilich der künstlerische Wert seiner Arbeit
auch überall gleich beurteilt wurde. Ferner
hat der Landschafts- und Architekturradierer
Walter Zeising mehr und mehr an Geltung gewonnen
. Auf dem Gebiete der Gebrauchskleingraphik
aber ist Georg Oskar Erler längere Zeit
so ziemlich der einzige Dresdener gewesen, dessen
Exlibris und Gelegenheitsarbeiten in Sammlerkreisen
gekannt und geschätzt waren. In den
letzten Jahren jedoch hat sich diese Situation
gründlich gewandelt. Ein Künstler wie der geistvolle
Phantast Walter Rehn würde allein genügen
, um Dresden einen hohen Rang in der
Reihe der Produktionsorte moderner Frei- und
Gebrauchsgraphik zu sichern. In jüngster Zeit
hat u. a. auch Max Schenke rasch die Sympathien
der Sammler von Exlibris und Gebrauchsgraphik
zu gewinnen gewußt. Der beliebteste
Dresdener Graphiker aber ist heute, vor allem
unter den Exlibrisfreunden sowie unter den
Liebhabern galanter illustrativer Graphik, Martin
E. Philipp. Er ist, neben und mit Rehn, heute der
repräsentative Gebrauchskleingraphiker Dresdens
. Und es gibt wohl kaum einen Sammler,
der den Exlibris und anderen Graphiken Philipps
, vor allem auch seinen radierten Zyklen,
nicht gerne seine Mappen öffnete. Mancher
erfreut sich einer solchen Beliebtheit, ohne daß
seine Arbeiten das hinlänglich rechtfertigten.
Bei Philipp aber deckt sich das Maß des Ansehens
mit dem Wert der Leistung. Das lehrt
schon ein Blick auf die hier wiedergegebenen
Proben der freien und angewandten Graphik
Philipps. Aber auch darüber hinaus wäre zum
„Fall Philipp" vielleicht noch einiges zu sagen.
Auffallen wird manchem zunächst die große
inhaltliche, stilistische und technische Verschiedenheit
der auf diesen Seiten gezeigten frei-
und gebrauchsgraphischen Arbeiten. Aber diese
Unterschiede sind doch nur scheinbare und
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