Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 49. Band.1924
Seite: 15
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FRANZ HECKENDORF

RENNBAHN

ZU DEN BILDERN FRANZ HECKENDORFS

Die diesjährige Ausstellung der Neuen Seces-
sion hat aufs deutlichste gezeigt, daß nunmehr
auch in der mit dem Schlagwort „Expressionismus
" nicht ganz glücklich gekennzeichneten
, schon nicht mehr „jüngsten" Kunstrichtung
die Extreme sich ausgeglichen haben und die
hochgehenden Wellen der Erregung und des
Kampfes sich geglättet haben, womit durchaus
nicht gesagt sein soll, daß hierin etwa
„Alterserscheinungen" zu erblicken seien. Aber
vielleicht darf man diesen expressionistischen
Stil, der in seinem besten, innersten Kern
allen Zeiten angehört, schon der Geschichte
zurechnen und von ihm mit aller Ruhe und
Objektivität sprechen, ohne Protestkundgebungen
zu befürchten, wie dieser Stil selbst jedenfalls
schon längst kein Protest mehr ist und
keine Gefahr, es sei denn die der Manier.

Franz Heckendorf, 1888 geboren, scheint mit
seinem Schaffen Anerkennung zu finden. Auch

er liebt die reinen einfachen Farben und deren
symbolische Ausdruckskraft. Auch er sieht,
wie jene Modernen insgesamt, im Weltbild
mehr als den farbigen Abglanz nur der Dinge.
Auch er bedient sich in seinen Gemälden und
Lithographien der eindringlichen Sprache der
Symbole und Zeichen,farbig schimmernder Stenogramme
, mittels derer er das Wesentliche eines
Bildnisses, das Charakteristische einer Landschaft
auf die Fläche bannt. Er zeigt, wie man
ganz unnaturalistisch, dennoch von der Natur
ausgehend, sie zu vergeistigen vermag, wie man
in fast schlichter psychologischer Methode dem
Kern der Dinge auf den Leib zu rücken vermag
und an die Stelle des zufällig Individuellen das
Typische zu bringen weiß. Um die Entdeckung
der Seele nicht nur im Menschen, sondern auch
in der Landschaft ist es ihm zu tun, in ihr
läßt er den Beschauer lesen, ihr Innerstes versucht
er ihm bloßzulegen. Farben und Formen

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