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dienen der Symbolik, jede Komposition wird
rhythmisch nach eigenen, aber nachfühlbaren Gesetzen
abgewogen und mittels betonter Konturen
fest in der Fläche verankert, mit allen
Einzelheiten untereinander und zugleich auch
an die Fläche gebunden. Denn trotz stark,
mitunter grell aufleuchtender Farbigkeit und
Farbkontraste ist die Bildform durchaus flächig
gehalten, wird der Raum nur durch lineare
Mittel, durch Überschneidungen und abgestufte
Kulissen gebildet. Auch Heckendorf scheint, wie
so mancher, dem Impressionismus viel zu verdanken
, um, täuschen wir uns nicht, in glücklicher
Verschmelzung beider Stile sein Bestes
zu geben. Im Landschaftlichen vorzüglich
äußert sich seine Begabung, die überall von
allerstärkster Phantasie Zeugnis gibt, die eine
seltene Kraft besitzt, uns in das Wesentliche
eines bestimmten Landschaftstyps hineinzu-
versenken.
Solche Landschaften sprühen von Farbigkeit.
Es ist schicksalhafte Selbstverständlichkeit, daß
unseren Künstler der Weltkrieg in ferne Gegenden
führte, die, wie im Balkan und im Orient,
jedem Nordländer vor allem das Erlebnis der
Farbe, des Lichtes und der Sonne bedeuten.
Wie kam dieser Orient seiner Farben-, ja Sonnenfreudigkeit
entgegen ! So auch sieht unser Maler
und nicht anders sehr bald die eigene deutsche
Heimat und weiß nunmehr auch dem schlichtesten
und bekanntesten, ja banalsten Erdenwinkel
ein Stück Kosmos und ein Stück Weltgeist
mitzuteilen. Ein brennendes, sengendes
Gelb steht etwa gegen ein verdämmerndes Blau,
ein Himmel spannt sich über Häuser und Berge,
der in seiner Farbenskala die Farben jener rhythmisch
, nicht nur dekorativ begleitet. Trotz aller
tektonischen Klarheit im Gefüge des Bildaufbaus
erhalten solche Landschaften eine fast zur Ekstase
gesteigerte visionäre Kraft und eine gewisse verträumte
Romantik. Das unbestreitbare Temperament
des Künstlers sorgt dafür, daß in allen
Bildern eine fühlbare Lebendigkeit, eine prik-
kelnde Geistigkeit herrscht. In den Bildnissen
ist es nicht die Bildnistreue, die unbedingte
schlagende Ähnlichkeit, die wirken soll. Aber
aus einer Geste, aus einer Bewegung vermag
man die dargestellte Persönlichkeit unzweideutig
zu erkennen und auch die Farbengebung trägt
ihrem besonderen Charakter Rechnung. N.
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