Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 49. Band.1924
Seite: 41
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RICHARD SEEWALD SEGELBOOTE

ÜBER MALEREI

Es handelt sich für mich darum, in der Kunst
einfach zu sein, und ich möchte nichts
lieber, als leicht verstanden werden. Der Wunsch,
sich mitzuteilen, ist die zweite Ursache der Entstehung
der Kunstwerke: aussprechen das, wovon
man ergriffen ist; denn Ergriffensein, das
ist die erste Ursache. Dabei ist es natürlich
nicht wichtig, ob ein wirklicher Leser oder Betrachter
Verse oder Bild zu Gesicht bekommt;
diese können an einen idealen Leser oder Betrachter
gerichtet sein.

Wenn man sich aber mitteilen will, muß man
eine verständliche Sprache sprechen. Wie mir
jene Dichtungen nichtssagend sind, bei denen
das Wort zum bloßen Klang herabsinkt, und
Musik unverständlich, wo die Töne keine Melodie
mehr bilden, so halte ich es für einen
Irrweg, zu malen, ohne die Gegenstände der
Natur zum Gegenstand der Malerei zu machen.
Gott hat die Welt geschaffen und sah, daß

es sehr gut war. Warum also sollen wir finden,
daß es nicht seh«- gut sei? Sind wir nicht nach
Gottes Ebenbild erschaffen? — „Zum Lohn dafür
", las ich bei einem Schriftsteller, „haben wir
uns Gott nach unserm Ebenbild geschaffen",
nach unserm Ebenbild, das dadurch, daß die
Sünde in die Welt kam, sich immer mehr von
seinem ursprünglichen Ebenbilde entfernte. So
sehen wir die Welt nicht mehr mit „einfältigem
" Auge, sondern mit Augen, verzerrt durch
unsere Leidenschaften und getrübt durch die
Angst, die ihre Frucht ist, und das Schlimmste
ist, daß wir darauf, daß das Bild der Welt
also vielfach gebrochen und facettiert in uns
gelangt, noch stolz sind und unsern Mangel
als Reichtum erklären. Stolz war jeder, der
eine neue Facette anbrachte und unter sein
Werk schrieb: Wie ich es sehe.

Schließlich ist über uns eine große Müdigkeit
gekommen vor all diesen sich breitmachen-

Die Kunst für Alle. XXXIX.

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