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David Friedrich, Oldach usw. an bis auf Thoma,
Menzel, Trübner usw., alle deutschen Künstler
umfaßte, die im modernen Sinne gute Kunst
geliefert haben. Auch Anton Graff und dem
neu entdeckten Ferdinand von Rayski waren
besondere wertvolle Ausstellungen gewidmet.
Nicht minder erfolgreich zog die Galerie Arnold
die moderne graphische Kunst, sowohl
die deutsche, wie vor allem die englische in
den Kreis ihrer Bestrebungen, die nach dieser
Richtung in den köstlichen graphischen Büchern
des neugegründeten Arnoldschen Verlags einen
weithin reichenden Ausdruck fand. An 15000
Bände sind von diesen schon in die Welt gegangen
.
Die hervorragende Bedeutung, die die Kunsthandlung
Ernst Arnold durch diese von Begeisterung
, Idealismus und Energie getragene
Betätigung Ludwig Gutbiers für Dresden und
weit darüber erlangt hat, wird erneut erhärtet
durch die Jubiläumsausstellung, die jetzt in
allen Räumen der Galerie Arnold dargeboten
wird. Als „Kunst der Gegenwart" schließt sie
sich an die erwähnte Deutsche Jahrhundert-
Ausstellung an und wird in der Hauptsache
bestritten durch die Berliner Künstler, die zur
Galerie Arnold seit Jahren in Beziehung stehen.
An hundert größtenteils hervorragende Werke
der Malerei und Plastik hat Ludwig Gutbier
persönlich in den Berliner Ateliers mit sicherem
Blick für Qualität ausgesucht, im vollgepackten
Lastauto nach Dresden gebracht und
hier mit dem erlesenen Geschmack aufgestellt,
den wir seit Jahrzehnten an ihm kennen. Ein
Unternehmen ersten Ranges ist so zustande
gekommen, das — wir dürfen das ohne Übertreibung
sagen — die Berliner akademische Ausstellung
dieses Jahres noch übertrifft. Aus dieser
selbst sind nur ganz wenige Werke in die
Dresdener Ausstellung übergegangen. Größtenteils
handelt es sich um die neuesten Werke
der vertretenen Künstler. So sehen wir von
Max Liebermann außer der prachtvollen Haar-
lemer Allee von 1906 sein jüngstes Bild „Auf
der Gartenbank", von Lovis Corinth neben dem
überaus lebendigen Bildnis „Pasternack" zwei
prächtige Stilleben, von Slevogt die wie im
Fluge erhaschte Impression eines Einzugs, von
Pechstein ein mit kräftiger Klarheit durchgeführtes
Figurenbild „Bei der Toilette". Neben
ihm sind auch die übrigen Mitglieder der
Brücke — so Schmitt-Rottluff mit einem prächtigen
roten Blumenstrauß und einem mehr Farbe
als Gegenstand aufweisenden Bauernhaus, Heckel
mit einer Rheinlandschaft bei Säckingen —,
bezeichnend vertreten. Heinrich Hübners weiträumige
Seebilder von Travemünde sind ebenso
glänzende Leistungen wie Hofers Landschaft
mit Viadukt, Partikels Frühlingslandschaft, ein
Strandbild von Heckendorf und Beckmanns
eigenartig aufgefaßte, in kräftige Gegensätze von
Licht und Schatten gesetzte Szene „Mars und
Venus", und Röhrichts melancholische Schneelandschaft
. Auch Purrmann, Moll, Pascin, Orlik,
Krauskopf, Kohlhoff, Plontke, Otto Müller, Charlotte
Berend, Carlie Sohn, von Ausländern Chagall
und Münch haben Werke beigesteuert, die
den wohlgeschlossenen Charakter der Ausstellung
bestimmen halfen. Von dem Dresdener
Kokoschka, der jetzt nach Wien geht, rührt
ein ganz vorzügliches, farbig wohlausgeglichenes
Gemälde her, zu dem Dresden mit der Elbe
und der Brücke die Motive geliefert hat; von
demselben ein leuchtendes Farbenkonzert, betitelt
„Mutter und Kind". Die Plastik ist nicht
minder glänzend vertreten durch Kolbes lebensgroße
stehende weibliche Figur in Bronze, durch
Fioris große Kniende in Terrakotta, sowie eine
Fülle plastischer Kleinkunst von Gaul, August
Kraus, Rene Sintenis. Im ganzen eine Ausstellung
, die dem Ruhmeskranz der Galerie Arnold
ein neues glänzendes Blatt einflicht. Möge
der frische Wagemut, der sie geschaffen hat,
seinen Lohn finden. Paul Schumann
C. EBBINGHAUS
MEDAILLE
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