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führt, der wie ein Revenant zwischen ihnen
steht; schwergrüne, schwarzgrüne Bäume verstellen
als Kulissen rechts und links den Horizont
, doch durch die Bildmitte führt von vorn
nach hinten eine gelblichhelle Straße, die unter
bleiernem Himmel in einer lichten Wolke mündet
. Man sieht: dem Bilde fehlt der Held —
wenn man in der Erinnerung an jenen fast
proletarisch armen Nackten von einem Helden
reden darf. Der Held ist sozusagen hinter der
Szene. Er wird aber auftreten — um Abschied
zu nehmen. So ist dies Bild. Es gedieh nicht
über eine gründliche Anlage hinaus; allein man
sieht sehr wohl, was vorgestellt war: gemeint
war wie in jenem Hauptbilde dieses Motivenkreises
die Ruhe in der Süßigkeit, Lauheit,
Schwere einer abendlichen Melancholie, welche
der Vorhof des ewigen Schlafes ist. . . .
Man fand in der Ausstellung auch eine der
von Marees so genannten Eklogen (Abb. S.f6).
(Wiederum könnte einfach unterschrieben sein:
Adam und Eva.) Das Bild ist etwa von i858.
Der menschliche Impuls hat da nicht bis zur
Darstellung eines Vorganges getrieben; das
Epische fehlt; das Epische, das jenen „Waldszenen
" um 1870 so viel von ihrer Konstitution
gegeben hat; nur das Statische ist da — in
einfachster Fassung; nicht gut könnte weniger
da sein; man mag sich auch fragen, ob der
Mann gefällt; ob die Landschaft redet (oder ob
sie auch bloß auf bedeutende Weise schweigt).
Der Mann scheint modellhaft wirklich, beinahe
HANS VON MAReES
Ausstellung der Galerie Thannhauser, München
UNSCHULD
6g
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