Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 49. Band.1924
Seite: 90
(PDF, 115 MB)
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WILLI GEIGER

KNABENBILDNIS

WILLI GEIGERS NEUESTE GEMÄLDE

Willi Geiger ist den Lesern unserer Zeitschrift
eine wohlbekannte Erscheinung. Aber man
kannte bisher nur den Radierer Geiger, der 1912
jene köstlichen, von Bewegung und Licht erfüllten
Blätter der Stierkämpfe, dann Illustrationen zu
Dehmel und Bonseis, Exlibris u.a.m. schuf, stets
bemüht den Bildraum zu weiten und das Spiel
der Atmosphäre zu deuten. Es kam die Erschütterung
des Weltkrieges, und wie ein einziger
furchtbarer Aufschrei fanden die schrecklichen
Erlebnisse künstlerischen Ausdruck in
der „Epistel aus dem Felde" und dem Blatt
„An die Pferde". Von da ab begann jenes starke,
ernste Ringen um Gewinnung überzeugender
Ausdruckskraft in Schilderung erregender, seelischer
Erlebnisse, die eine (scheinbare) Abkehr
von früheren Zielen bedeuteten. Wedekind zog
den Künstler in seinen Bann und vor allem
Dostojewski, der reinste und ganz tendenzlose

Russe. Hier fand Geiger sich selbst, seine Visionen
und Spannungen und auch jene Todesangst
und Folterung, von der so manche Briefe
aus dem Felde zeugen. So erschienen auf die
Lithographien zu Wedekinds „Frühlingserwachen
" (1920) in rascher Folge die Radierungen
zu Tolstois „Kreutzersonate" (1921),
zu Dostojewskis „Gatte", „Junges Weib",
„Krotkaja" und (demnächst) die zum „Tod des
Iv. Ujtsch". In diesen Illustrationen gelang es
aber auch dem Künstler zugleich, sich selbst
zu befreien, sich frei zu machen von jedem
dumpfen Druck, sich über den Stoff zu erheben,
dem Gegenstande Rechte einzuräumen und doch
dem Ausdruck, der symbolischen Kraft der Linie
die führende Rolle zuzuleiten. Eine Ausstellung
bei Caspari stellte vor Jahresfrist nun auch den
Maler vor, den wir heute mit bisher unveröffentlichten
neuesten Werken vor uns sehen.

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