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besonderer Art erweisen, ferner die Römer Cara-
vaggio, Sassoferrato, Maratta, die Neapolitaner
Preti und Salvator Rosa, der Florentiner Halb-
figurenmaler Carlo Dolci, die Venezianer Alessan-
dro Turchi und Francesco Guardi, der Genueser
Strozzi und einige andere. Den Abschluß auf dieser
Seite bilden die spanischen Meister Murillo,
Ribera, Greco, Velasquez und Zurbaran, deren
wenige, aber vorzügliche Werke den gfoßen Ecksaal
, in dem bisher Makarts großes dekoratives
Bild des Sommers thronte, mit neuem solideren
Glanz erfüllen.
Auf der anderen Seite vom Treppenhaus aus
kommen wir zu den deutschen Meistern. Den
Ludwig Richter, Caspar David Friedrich, der Lah-
mannschen Leihsammlung, die wir kürzlich hier
besonders gewürdigt haben, ist je ein besonderes
Kabinett eingeräumt. Hier findet sich unter anderem
auch ein neu entdecktes und neu erworbenes
Gemälde Ludwig Richters, darstellend die
Ebene und die Gebirge von Palestrina aus dem
Jahre 1826. Dieses Jugendbild des Dresdner Meisters
war uns bisher nur durch einen Stich
bekannt und galt als verschollen. Es war zuerst
1829 in Hamburg ausgestellt und dann in Privatbesitz
übergegangen. Nun ergänzt es die lange
Reihe der Richterschen Gemälde in willkommener
Weise als ein Hauptbild der Jugendzeit des
Meisters. Die besten Bildnisse von Anton Graff
und Anton Raphael Mengs, Tierbilder des Süddeutschen
Carl Ruthardt, der seine späteren
Lebensjahre in Antwerpen und in Italien verbrachte
, Heiligenbilder des Deutschböhmen Karl
Skreta, breitgelagerte Ansichten von Johann
Alexander Thiele, das Vierkinderbild des späteren
Leipziger Akademiedirektors Adam Friedrich
Öser, Angelika Kauffmanns weithin bekannte Ve-
stalin, die vortrefflichen frühen religiösen Bilder
von Julius Schnorr von Carolsfeld, charaktervolle
herbe Landschaften von Josef Anton Koch, Klengels
Apoll mit den Herden des Admet und seine Weidelandschaft
, Bildnisse von Johann Friedrich August
Tischbein, Proben der Dietrichschen Nachahmungskunst
, die Brustbilder des Wiener Kammermalers
Christian Seybold u. a. schließen sich
an. Im großen Ecksaale bilden wiederum Ansichten
von Canaletto und Bilder einiger Zeitgenossen
den wirksamen Abschluß.
Es ist ein hoher künstlerischer Genuß, durch
diese neu geordneten Säle zu wandeln, in denen
die ausgewählten Gemälde mit so viel Geschmack,
mit feiner Abwägung der Wirkung auf geeigne -
ter Wandbespannung, der trefflichen Beleuchtung,
der Steigerung durch Verwandtschaft und Gegensatz
zu einander geordnet sind, so daß sie uns wie
neu geschenkt erscheinen. Dr. Posse hat mit dem
Grundsatz der kunstgeschichtlichen Vollständigkeit
energisch gebrochen, z. B. den ganzen Wust
der Bilder des Schnellmalers Luca Giordano, genannt
Fa Presto (Mach schnell) rücksichtslos hinausgetan
, und hat mit seiner fein ausgewählten
Schausammlung erwiesen, wie sehr es auch bei
älteren Werken der Malerei auf Qualität ankommt,
wenn man etwas wirklich Gediegenes schaffen
will. Dr. Posse setzt nun sein Werk fort, indem
er nach denselben Grundsätzen im Südostflügel
des Galeriegebäudes die besten Gemälde des 19.
und 20. Jahrhunderts neu hängt. Im Kapherrschen
Palais an der Parkstraße wird er dann aus dem
Rest, zu dem eine ganze Reihe „Lieblinge" weiterer
Kreise des Publikums gehören, eine Tochtergalerie
zusammenstellen. Paul Schumann
WILLI GEIGER
REH
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