Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 49. Band.1924
Seite: 104
(PDF, 115 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_49_1924/0124
imagines, die Schrägansichten der Körper „erfunden
". Zum ersten Male, seit Menschen
malten und zeichneten, steht ein Dreidimensionales
leibhaft auf der Fläche.

Aber es folgt nicht, wie man erwarten könnte,
die Entwicklung der Raumperspektive. Bis zuletzt
hat die griechische Malerei sie nur gefühlsmäßig
angewendet, nie sie konstruiert.
Was um 460 v. Chr. geschieht, ist eine Zwischenlösung
: Polygnot stellt an den langen
Wänden der Wandel- und Tempelhallen eine
Vielzahl von Gestalten lose gruppiert auf sanften
Hügellinien neben- und übereinander. Der
Eindruck dieser ersten malerischen Großkunst
wirft die Vasenmaler für einen Augenblick aus
ihrer Bahn, denn unvollkommen nachgezeichnete
Monumentalgestalten drohen die geschlossene
Vasenstruktur zu sprengen. Allmählich wird
dann das polygnotische Raumsystem für den Gefäßkörper
graziös gezähmt (Abb. S. 105 unten),
aber im allgemeinen ebbt die Vasenmalerei zur
Flächenrhythmik zurück, eine Weile mit den
vornehmen, innerlich organischen Schönheitslinien
der phidiasischen Kunst (Abb. S. 104),

dann in dem übergeschmückten Stil der letzten
attischen Vasenepoche. Eine noch prunkvollere
Nachblüte auf italischem Boden sinkt stark ins
Handwerk. Aber ohnehin verläßt uns hier die
Vasenmalerei als Führerin durch die Stilentwicklung
der nun rein malerisch werdenden
Probleme. An ihre Stelle treten die Nachrichten
der Alten und der unvollkommene Nachhall
in späten Wandmalereien.

Polygnot, wie der andere große Eröffner
Giotto von höchstem seelischem Ethos, hatte
doch nicht viel mehr als eine farbig gedeckte
Zeichnung als Ausdrucksmittel. Das Tor der
Malerei wird, wie Plinius sagt, eröffnet, als
Agatharch am Theaterhintergrund die Anfänge
der Architekturperspektive, sein größerer Nachfolger
Apollodor von Athen die körperformende
Kraft von Licht und Schatten entdecken. Und
Zeuxis und Parrhasios, um 400 v. Chr., gestalten
nun auch den Raum um die Körper herum.
Man glaubt ihre Lösung des Problems in pom-
peianischen Bildern wie Abb. S. 107 zu erkennen
. Die Gestalten bilden mit dem Gelände
noch eine reliefmäßige Einheit, in der sich

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