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göttlichen Musik. Dann kamen seine sechs Radierungen
zu Goethes Römischen Elegien und
Venezianischen Epigrammen (igig), die ein wenig
herber, architektonischer und gereckter die geliebte
italische Metapher fangen. — Die acht
Lithographien zu Kleists „Amphytrion" gefallen
mir weniger: die heitere Anmut des
Verses wird nicht von der etwas körnigen, besinnlichen
und unbeschwingten Zeichnung begriffen
; zudem ist die Reproduktion nicht einwandfrei
. — Außerordentlich gelungen, voll
Grazie und ornamentaler Sicherheit sind die
zehn Radierungen zu Voltaires „Prinzessin von
Babylon". — Das reifste Illustrationswerk: die
zwölf Radierungen zu den Goethe-Märchen —
ein spielerisches und doch ideelich gebändigtes
Phantasma in sicherster Formulierung. —
Die fünf Heliogravüren zu Couperus' „Dionysos
" — straff komponierte und bemerkenswert
plastische Allegorien — und sechs charmante,
rokoko-frohe Radierungen zu Wielands „Gan-
dalin" beschließen Schotts bisheriges Illustrationswerk
. Zu erwähnen sind noch die sechs
stilsicheren Blätter seiner „Carmen"-Mappe, die
ganz reifen und technisch überlegenen vier
Blätter der „Tageszeiten"-Folge und nicht zuletzt
seine oft erprobte Kunst als Radierer
von Exlibris.
Alfred Neumann
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