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ROLF SCHOTT
Einer unmittelbaren
Kunstanschaunng endlich
dienen die vorzügli-
chenTaf ein und die zahlreichen
kleineren Abbildungen
. Der Kunstwissenschaft
ist in diesen
Bänden eine Vielheit
von Problemen, Ergebnissen
und Hypothesen
geboten, die berufen
sind, eine Reihe wichtiger
Fragen sei es zu lösen
, sei es fruchtbringend
anzuregen. Dem
Kunstliebhaber bietet
sich der Genuß eines fast
ungeheuren Bestandes
an Kunstleistungen erster
Qualität. Für die
deutsche Nation aber ist
diese fast episch anmutende
große Kunstgeschichte
des kleinen Königreiches
des P. P. Rubens
ein Monument der
Ehre und ein Beweis von
der unbeflecktenLauter-
keit ihres europäischen
Kulturgewissens, das
keine harte Notwendigkeit
des Krieges konnte
verstummen lassen. Es
ist ein deutsches,.Kriegsdokument
" von einer Art
wie es keine der kriegführenden
Nationen bislang aufzuweisen hat. Es
wird über die Ehrenhaftigkeit und die „bonne
volonte" einer schmählich mißbrauchten Wahrheitsliebe
der Welt entscheiden, wie dieses „Manifest
von 24 deutschen Intellektuellen" aufgenommen
werden wird. Heinrich Ehl
Justi, Carl: Diego Velasquez und
sein Jahrhundert. Bd. 1. u. 2. Dritte Auflage
. Verlag Friedrich Cohen in Bonn, 1922.
Das berühmte, weit bekannte Werk des unvergeßlichen
Forschers bedarf keiner Empfehlung.
Wir wissen, was wir dem alten Justi mit seinen,
so prächtig abgerundeten und in den Tiefen
schürfenden Büchern zu verdanken haben. Man
weiß auch, daß dieser hervorragende Gelehrte
stets auf das Ganze ging und seine Lieblingsmeister
, denen er eingehende monographische
Darstellungen widmete, stets in die Geschichte
und Kultur ihrer Zeit hineinstellte, daß er die
großen geistigen und kulturellen Zusammenhänge
zu beleuchten suchte und so in ruhiger konservativer
Weise seinen Helden um so wirksamer
und plastischer von dem lebendigen Hintergrund
abzuheben wußte. Auf sicherer, breit angelegter
Basis stellte er ein Gebäude auf, das für alle Zeiten
monumentale Kraft und Geltung besitzt. Wir
lernen nicht nur Velasquez kennen, sondern auch
die Künstler und Schulen vor und nach ihm und
seine Zeitgenossen. Wir erhalten einen Einblick
in die Literatur der Zeit, in das Land und die
Stadt, ihre Politik, ihre Sitten und Geschichte,
kurz, wir genießen ein Zeitbild. Alles hat Mark
und Kraft, alles atmet Frische, Mannhaftigkeit
und Originalität. Kernig und oft voll saftiger
Würze ist die Sprache, lebendig und temperamentvoll
, auch selbstverständlich sehr subjektiv ist die
künstlerische Würdigung.
EXLIBRIS (RADIERUNG)
Aus der Vorbemerkung
erfahren wir, daß
Ludwig Justi, der junge
Justi, die Herausgabe
dieser neuesten Auflage
übernommen hat. Daß er
pietätvoll den Text unverändert
gelassen hat,
ist besonders rühmend
anzumerken, denn es ist
uns in der Tat sehr viel
an der Art und Weise gelegen
, mit der Carl Justi
uns in das „Verständnis
des künstlerischen Phänomens
mit all seinen
Bedingtheiten" einzuführen
weiß. Deshalb
sind alle tatsächlichen
Veränderungen und alle
neuen Forschungsergebnisse
in die im schrägen
Druck gehaltenen
Anmerkungen verwiesen
. Für diese gewissenhaft
ergänzende Kleinarbeit
sind wir dem
Herausgeber und Professor
Mayer, dem gelehrten
Kenner spanischer
Kunst, zu warmem
Dank verbunden. Gute
Kupferdrucke nachPhotographien
illustrieren,
nicht allzu reichlich, die
beiden Bände.
Rintelen, Friedrich: Giotto und die
Giotto-Apokryphen. Zweite verbesserte
Auflage. Basel 1923. Benno Schwabe & Co.
Verlag.
Das 1912 erschienene, vorzügliche und grundlegende
Werk des ausgezeichneten Gelehrten liegt
hiermit in zweiter Auflage vor. Der Text ist
knapper gefaßt, die Zahl der Tafeln vermehrt worden
, die Ausstattung würdig. Der Verfasser hat
gehalten, was er im Vorwort verspricht. Seine
früher ein wenig schwerfällige Sprache hat an
Prägnanz und Beweglichkeit erheblich gewonnen.
Alle Ergebnisse der neuesten Forschung sind verwertet
. Für die nächste Auflage dieses wundervollen
Buches wäre noch die Mitgabe eines Verzeichnisses
der Schlagworte und Abbildungen
wünschenswert.
Liest man die eingehende Analogie der einzelnen
Bilder der großen Freskenzyklen, so wird
jeder die warme, eindrucksvoll wohlige, aber ganz
schlichte Sprache als etwas Besonderes und dem
Geiste Giottos innerlich Gleiches mit Befriedigung
genießen und dem Verfasser gerne auch da
sich unterordnen, wo er mit kritischer Schärfe
Eigenes von Fremdem in Giottos Oeuvre scheidet.
Und hierbei erinnert man sich auch dankbar daran
, daß der Verfasser einer der ersten war, der
das köstliche, uns von Giotto hinterlassene Erbe
von allen Schlacken gereinigt hat. Der Forscher
findet reiches Material in den sehr erweiterten
und sehr wichtigen Anmerkungen.
Hausenstein, Wilhelm: Giotto. Die
führenden Meister. Im Propyläen-Verlag, Berlin.
Neben dem Forscher hat der bekannte geistreiche
Tagschriftsteller schweren Stand. Es überrascht
, dem Vorkämpfer der Modernen hier zu
begegnen. Ist es Symptom? Auch dieser Verfas-
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