Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 49. Band.1924
Seite: 134
(PDF, 115 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_49_1924/0156
Theorien erfüllte — sondern einzig und allein
durch sein Genie. Dieser hohen Einschätzung
Gericaults begegnet man heute auch unter vorurteilslosen
Franzosen.

Gericault war wie Corneille, Poussin und Flaubert
Normanne. Er wurde als Sohn eines Rechtsanwalts
am 26. September 1791 in Rouen geboren
, begann bereits als Kind sich im Zeichnen
zu üben, trat 1808 in Carle Vernets Atelier ein
und wurde 1810 Schüler von Charles Guerin.
Während er den akademischen Unterweisungen
des berühmten Meisters folgte, nährte er eine

geben, sondern durchsetzt mit zarten, braunen
und grauen Tönen. Man erkennt auf der Reproduktion
, wie die Schattenpartien, die die Helligkeiten
umrahmen, am Rande mit Licht durchsetzt
sind, wie das Licht feine Schattierungen
enthält, die modellierende Bedeutung haben.
Keine Dunkelheit ist im Nachtschwarz beruhigt,
sondern durch die Lichtstreifen aufgehellt. Das
gibt dem Bilde jene aufregende Bewegtheit, die
Gericault erreichen wollte.

Kurz darauf entstand der herrliche „Trom-
pette de chasseurs ä cheval de la Garde im-

theodore gericault

montmartre

heimliche Liebe zu Rembrandt, Rubens, Tizian
und Prud'hon. Sein erstes Hauptwerk aus dem
Jahre 1812: der„Officier des chasseurs ä cheval
de la garde imperiale", das jetzt im Louvre hängt
(Abb. geg. S. 129), ist eine Huldigung an diese
Meister. Wie auf Tizians und Rembrandts Alterswerken
ist der Hintergrund dieses Bildes aufgewühlt
, in lichterlohen Brand gesetzt, dessen Feuergarben
und Rauchschwaden nur Formfetzen
erkennen lassen. Im Vordergrund finden sich
nicht wie auf Ingres' Bildern kontrastierende
Lokalfarben, sondern aus einer Tonart abgeleitete
Harmonien. Die Helligkeiten sind nicht
in einem neutralen Weiß, Gelb oder Rot ge-

periale", der jetzt in der Sammlung Schmitz
in Dresden hängt. Dieselbe flüssige Malerei,
die gleiche, aus einem Grundton entwickelte,
klingende Farbenharmonie, in der es flimmert
und schillert, entzückt auf dem kleinen Bilde
mit den beiden trabenden Kavalleriepferden im
Louvre.

In der „Auffahrenden Artillerie" (Abb. 135)
der Münchner Pinakothek, die in diesen fruchtbaren
Jahren entstanden ist, ist mehr Atmosphäre
als in manchen Bildern der impressionistischen
Schule. Die spukhafte Beleuchtung,
das Eingehülltsein aller Formen in Staub, Dunst
und Rauch erscheint natürlich, weil die ganze

134


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_49_1924/0156