Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 49. Band.1924
Seite: 141
(PDF, 115 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_49_1924/0163
THEODORE GERICAULT

BILDNIS EINER WAHNSINNIGEN

dert ist, so beruhigt hier das reich variierte
Grau des Gewandes, die zerrissene Zeichnung
des Gesichtes. Das verwilderte Diebesantlitz
beim Herzog von Trevise leuchtet aus saftigem
Grün auf. Unheimliche Augen überglühen das
Gesicht. Die Frau mit der Krücke in Lyon
wirkt wie ausgebrannt. Die Augen blicken ins
Leere. Der lasterhaft breite Mund ist ausdruckslos
. Das Bild ist das finsterste. Wie grünliches
Wachs schimmert das fast erstorbene
Fleisch, schmutziggrau das Kopfhaar, grau mit
weißlicher Einfassung die Haube; nur das rote
Band um den Hals erinnert in lebenswarmen
Farben an flatternde Schönheit, überhaupt zieht
durch die ganze Bildnisreihe bald offen, bald
versteckt eine Note aus der Heiterkeit der Welt.
Sie verklärt das Profil bei Doktor Eisler. Wie
ein perlender Sturzbach fließt das Goldweiß
der lichtstarken Haube über das schwarze Haar
des Kopfes. Der halbgeöffnete Mund, die schöne

Zahnreihe, die edel geschnittene Nase, vor
allem die fröhlich quirlende Umrahmung der
Kopfbedeckung lassen ganz vergessen, daß die
Porträtierte eine Wahnsinnige ist. Die sprudelnde
Schönheit der Farbe überwindet in dieser
Auffassung die Zerstörung eines menschlichen
Geistes. So klingen in diese Darstellungen der
krankhaften Übersteigerung menschlichen Denkens
und Empfindens auch noch versöhnliche
Harmonien hinein. „Ich wüßte nichts, was sich
dem Eindruck dieser mit größter Sachlichkeit
gemalten Bildnisse zur Seite stellen ließe", urteilte
Meier-Graefe, als drei dieser Porträts zusammen
in Berlin ausgestellt wurden.

Die Hand, die diese unsterblichen Werke
geschaffen hat, ist uns vom Künstler noch selbst
überliefert worden. Auf seinem Krankenbett
hat er sie gezeichnet, jetzt in Pariser Privatbesitz
. Eine kurzfingrige, sehnige Hand, deren
Form er ausdrucksvoll festgehalten hat. Wer

141


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_49_1924/0163