Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 49. Band.1924
Seite: 142
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daneben seine Totenmaske betrachtet, bekommt
einen Begriff seiner körperlichen Erscheinung
aus den letzten Lebenstagen.

Gericaults Sterben war wie sein Leben ein
Martyrium. In den schwersten Stunden rief er
vorahnend und wie hilfesuchend Rubens und
Rembrandt an, ließ sich seine Kopien nach
Tizian und Michelangelo ans Bett bringen,
klagte über seine Trägheit, peinigte sich mit
Selbstanklagen über seine Unzulänglichkeit und
rief ein Mal über das andere: „Ach, wenn ich
wenigstens fünf Bilder gemalt hätte; aber ich
habe nichts, rein gar nichts fertiggebracht,
wirklich nichts." In den letzten Tagen vor
seinem Tode griff er noch einmal zur Feder und
schrieb seinem jungen Freunde, Eugene Isabey,
folgende zärtlich-melancholischen Zeilen:

„Gestern habe ich Deinen lieben Vater gesehen
, der versprach, sich meiner sehr anzunehmen
; er sagte mir, daß Dir ein paar Zeilen
von mir Freude machen würden. Ich schreibe
Dir aus dem Bett, mein lieber Eugene, mit
freundschaftlichen Grüßen und vor allem mit
etwas mehr Hoffnung als zur Zeit Deiner Abreise
; denn ich glaube, daß es mir wirklich
etwas besser geht. Trotzdem wage ich noch
nicht, zu sehr zu frohlocken, aus Furcht, wieder
ganz zusammenzuklappen. Ich beneide Dich
derart um Deine Arbeitsfähigkeit, daß ich ohne
Furcht, als Pedant zu gelten, Dich anfeuern
möchte, nicht einen Augenblick zu verlieren,
den Deine gute Gesundheit Dir gestattet, so
ausgezeichnet anzuwenden. Denn Jugend geht
auch vorüber, mein junger Freund. Auf Wiedersehen
. Von Herzen der Deine. Gericault."

Otto Grautoff

Theodore gericault

rennpferde

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