Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 49. Band.1924
Seite: 147
(PDF, 115 MB)
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W. MÜNCH-KHE

Verlag von F. Bruckmann A.-G., München

RHEINFISCHER

WILLY MÜNCHS BODENSEE-RADIERUNGEN

Willy Münch-Khe ist heute schon allen Graphiksammlern
längst bekannt, durch die
Holbeinsche Kraft und Bestimmtheit seiner
Bildnisse, wie durch die rhythmische Ausgewogenheit
seiner landschaftlichen Kompositionen
, durch die verwegene Phantastik seiner
Grotesken und die monumentale Symbolik seiner
Zeitblätter von den „Geborgenen" und den
„Kriegskrüppeln" bis zum „Heiligen Sebastian"
— ein Werk von seltenem Umfang und seltener
Geschlossenheit in allem Reichtum der Spielarten
, über das hinaus kaum noch ein wesentlicher
Fortschritt zu erwarten war. Aber es
wird immer das Kriterium wahrer Kunst bleiben,
daß sie niemals ganz zu Beharrung und Stillstand
kommt, getrieben von heiliger Unrast zu stets
erneuter Anspannung, in ständiger Bewegtheit
innerhalb einer lebendigen Entwicklung von
latenter Gesetzmäßigkeit. So ist auch Willy
Münch-Khe sich immer treu geblieben und doch
stets weitergegangen, von der idyllischen Zartheit
seines dekorativen Frühwerks über die
feierliche und in ihrer melodischen Gleichmäßigkeit
fast etwas starre Größe seiner Reifezeit
zur reinen Verklärung der beseelten Natur in
einer Kunst der Stilisierung, die im scheinbar

frei und leicht beschwingten Spiel doch nur
das Wesentliche zuläßt und alles Zufällige ausschließt
.

Ihre eigentliche Erfüllung aber scheint Münchs
Kunst erst inmitten der großen und musikalisch
bewegten Linien und im strahlenden Lichte der
Bodenseelandschaft gefunden zu haben, in der
er gleichsam die Welt seiner eigenen Empfindungen
, die Fülle der inneren Gesichte körperhaft
ausgebreitet und zur Gestaltung bereit fand.
Daher die reine Musikalität dieser Blätter, ihre
klare Selbstverständlichkeit, ihre Beschlossenheit
in aller Grenzenlosigkeit von Himmel, Erde
und Flut. Der gleiche Rhythmus, der diese Formen
durchströmt, beherrscht auch das Blut und
die Hand dessen, der sie aus sich, aus seiner
inneren Anschauung heraus neu erschuf, im
Geiste, nicht in ängstlicher Nachgestaltung der
Natur. So kommt es, daß in Willy Münchs
Radierungen sich kaum jemals bestimmte Bruchstücke
der Bodenseelandschaft feststellen lassen,
wohl aber alle ihre großen Motive, die das
Auge beglücken und in der Seele noch lange
nachzittern: die schwingenden Buchten, die
feierlichen Pappeln auf langgestreckten Halbinseln
, der sanfte Anstieg der bewaldeten Höhen,

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