Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 49. Band.1924
Seite: 160
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_49_1924/0182
„Accessoiremalerei", wie Feuerbach sich ausdrückte
, nicht das Wort geredet werden, und
die Zeiten, wo eine Malerwerkstatt wie eine
Waffenkammer aussah, sollen begraben sein.

Aber, mag die Malerei sich jetzt andere Aufgaben
stellen, die Illustration zur Historie kann
und darf vom Antiquarischen ausgehen oder
es verwerten. Ja, gerade das, was nicht im Text
steht, all das Drum und Dran, das Episodische,
Landschaft, Architektur, Trachten und Zivilisation
sollte das Gebiet des Illustrators sein.
Denn den großen geistigen Gehalt historischer
Vorgänge schildern zu wollen, wird er vermeiden
müssen, will er nicht in die andere Gefahr geraten
, der die große Historienmalerei erlegen
ist, und die Feuerbach als Theaterempfindung
brandmarkte.

Daß archäologische Kenntnisse die Phantasie
nicht beengen, und daß man die Neigung zur
Illustration Zwecken der genußreichen Belehrung
dienstbar machen kann, hat F. Krischen schon
früher mit seinen geistvollen Zeichnungen zu
A. Jolles' „Polykrates" und zu M. Schedes „Burg
von Athen" erwiesen. In der Verdichtung all der
wissenschaftlich gewonnenen Einzelkenntnisse
zu lebendig gesehenen Szenen, in der Wiederherstellung
der Architekturen steckt mehr Phantasie
als in mancher impressionistischen Illustration
, deren „Erfindung" und „Beweglichkeit"

gerühmt wird, die aber zur Verbreitung kulturhistorischer
Vorstellungen nichts und selbst zum
Verständnis der Dichtung wenig beitragen. Es
ist auch zu fragen, ob solche impressionistischen
Illustrationen in ein Buch gehören, dessen Schriftlettern
einen andern Abstand vom Auge verlangen
als die Zeichnungen. Überhaupt sind die
Grundbegriffe, die hier in Frage kommen, noch
recht unklar. Vor Menzels Schlacht von Hochkirch
kann man hören, das Bild sei eine vergrößerte
Illustration, vor seinen Illustrationen
zur Geschichte Friedrichs des Großen, sie seien
eigentlich Gemälde. Menzel wird sich wohl überlegt
haben, was er zu tun und zu lassen hatte.
Aber seinem Genie war manches erlaubt, was bei
andern Fürwitz wäre. So werden noch viele
Versuche gemacht werden müssen, aus deren
Erfolg oder Mißlingen zu lernen ist, wie eine
Illustration zur Historie aussehen muß. Die
Aufgabe ist gestellt; daß ihre Erfüllung möglich
ist, steht fest. Das Stoffgebiet ist unbegrenzt.
Nun müßte man aus wertvollem Text, sachlich
wohlbegründeter und künstlerisch hochstehender
Zeichnung eine nicht bloß typographische,
sondern geistige Einheit schaffen, und sich damit
ein Ziel setzen, zu dessen Erreichung die Arbeiten
von Krischen und das neue Echnatonbuch
jedenfalls achtbare Wegestationen bedeuten.

B. Schröder

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