Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 49. Band.1924
Seite: 181
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VIKTOR PISANO

nur dadurch berühmt war, daß er 800 Frauen
bezwang. Die ganzen dynastischen Häuser der
Condottiere-Herrschaften in der Poebene und
Romagna, die Gonzaga in Mantua, die Malatesta
in Rimini, die Aragon in Neapel, die Feltre
in Urbino, die Sforza in Mailand und Pesaro,
dann die Großkaufleute in Florenz, die Päpste,
die Dogen, sie alle marschieren in stolzer Reihe
auf, nicht nur im Familienhaupt, sondern auch
in den Söhnen und Töchtern. Wer kann Pisanos
Medaille auf Cecilia Gonzaga je vergessen, wo
die dem Kloster geweihte Jungfrau nackt auf
dem Berge im Mondschein sitzt, das große
Einhorn im Schoß, den Blick sehnsüchtig zu
den väterlichen Bergen sendend, wo vielleicht
der Jugendgeliebte wohnt? Der dunkle Tag der
Pazzi-Verschwörung fehlt ebensowenig wie der

CECILE DE GONZAGA (VORDER- UND RÜCKSEITE)

helle Hochzeitsmorgen Lionello d'Estes, wo dies
Löwlein von Amor das Singen lernt.

Seltsam, daß die Stadt, in der wir doch die
Urzelle der modernen Kultur zu erblicken gewohnt
sind, Florenz, auf dem Gebiet der Medaille
einen nur bescheidenen Platz einnimmt.
Natürlich ist sie da und nicht spärlich; aber
die Leistungen Pisanellos und Matteos de' Pasti
werden nicht erreicht. Rom, das doch die Papstreihe
und Kardinalsserien fordern müßte, tritt
spät in den Wettstreit und dann sind es meist
auswärtige Künstler, namentlich solche unter
Mantegnas Einfluß. Bald greift dann die Medaille
auch über die Grenzen Italiens herüber
und bewährt sich in Südfrankreich, sie wandert
über die Alpen nach Deutschland und fährt
zu Schiff bis nach Konstantinopel. Venedig


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