Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 49. Band.1924
Seite: 192
(PDF, 115 MB)
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rende Galerie zu werden. Ihren Mut beweist sie
mit einer Vorführung von Otto Dix. Den Künstler
zu loben, indem man sagt, daß er seine augenblickliche
Konjunktur sehr lange überdauern wird,
scheint mir nicht mehr so notwendig, als dem
unternehmenden Salon für diese rühmenswerte
Vermittlung dankend Antrieb zu neuem Wagen
zu geben, das mit der augenblicklichen Klee-Ausstellung
für Hamburg immer noch verbunden ist.

Commeter, der als zielsicherer Impressionistenmakler
einmal eine historische Rolle gespielt hat,
scheint sich langsam auf seine Verpflichtungen zu
besinnen. Er zeigt Emil Noldes Aquarelle, einige
farbenstrotzende Wände voll, und findet es leider
(vielleicht geschäftlich?) notwendig, sich mit der
Kolonialwarenreklame des Tierjägers Kuhnert zu
entschuldigen. Die Blätter Noldes scheinen mir
unzweideutiger als manche Gemälde, die positive
Schale seines noch immer unbestimmbaren künstlerischen
Schwergewichts zu verstärken. Von seiner
Graphik sieht man auch das Bekannteste stets
mit neuer Teilnahme.

Das Kabinett Maria Kunde, mit Geschick, Bekenntnistreue
und nicht zuletzt mit Opfermut geführt
, bringt einiges vom Besten von Karl Hofers
zeichnerischer Kunst. (Die Gemälde hat man hier

vor zwei Jahren in den Künstlerwerkstätten zuletzt
mit Felixmüller zusammen gesehen: Reife einer gefestigten
Kulturschicht und einbrechender Aufstieg
einer barbarisch begnadeten neuen.) Das trotz der
neuen Mittel untrüglich Historische von Hofers
Form und das ein ganz klein wenig Histrionische
seines Ausdrucks scheint sich aus dem entwicklungsmäßig
bestimmten GrundrißRom—Paris doch
noch zu einer, ganz der eigenen Bestimmung entsprechenden
Reife des gebauten Bildes durchzuarbeiten
. Hofer leidet immer noch unter dem
typischen Humanistenschicksal deutsch-römischer
Künstler, mehr Achtung und Bewunderung zu erzwingen
als in innerer Kongruenz mit ihm dem
Zeitenschicksal Deutung geben zu können.

Das Hamburger Kunstleben, das einigermaßen
unter Ausschluß der Öffentlichkeit, leider auch mit
wenigen dankenswerten Ausnahmen der Presse
lebt, bedarf der teilnehmenden Ermunterung. Es
gibt in dieser einseitig beleumundeten rechnerischen
Kaufmannsstadt von über .einer Million
Menschen sicher auch das bessere Tausend, das
der Irrationalität des Künstlerischen zugänglich
ist, auch wo es nicht als musikalisches Gesellschaftsereignis
auftritt. Erweckung und Ermunterung
können hier manchem die Wege bahnen.

Heinrich Ehl


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