Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 49. Band.1924
Seite: 223
(PDF, 115 MB)
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WOLF HUBER

barocker Kraft ein
etwas mattes, dekoratives
Empfinden,
verständlicher als hier
in Landschaftszeichnungen
der gleichen
Periode; je gelöster
und zweckbefreiter
das Spiel der Linien
wird, je mehr verlieren
die Pflanzen
den lebendig-organischen
Charakter. Die
Landschaft wird zum
monumentalen Flächenornament
; hier
findet sich nichts von
Altdorfers bildhauermäßigem
Formdrang,
aber auch wenig mehr
von Hubers barocker
Sehnsucht nach der
Ferne; die gleiche
resignierte Flucht also
in das Dekorative
ganz großen Stils, die
zur selben Zeit auch

in Florenz unter den Nachfolgern Michelangelos
das Kennzeichen der beginnenden Spätrenaissance
ist.

Man kann sich wohl vorstellen, daß dieser
vornehm zurückhaltende Stil den Beifall der Zeitgenossen
gefunden hat; die gelehrte humanistische
Bildung, der weltmännische spanische Hofton
waren auf dem Weg Gemeingut der herrschenden
Schichten zu werden, die jetzt die kulturell
entscheidenden sind; mit der naiven Volkstümlichkeit
der Renaissance war es vorbei, die
in ihren Anfängen eine bürgerliche Bewegung
gewesen war. Man darf vielleicht mehr als ein
bloßes Symptom des Brotneides in der Beschwerde
erkennen, mit der die Passauer bürgerlichen
Maler sich 1542 an den Bischof wenden:
die geschäftige Werkstatt Wolf Hubers halte
sich nicht an die Zunftgesetze (wozu der Hofmaler
nicht verpflichtet war) und entziehe so
widerrechtlich den Meistern ihren Verdienst.

Im Jahre 1553 ist Wolf Huber zu Passau gestorben
. Über das letzte Jahrzehnt seines Lebens
fehlen uns die Zeugnisse in noch höherem Grade
als über die früheren Stufen seiner Entwicklung;
eine wundervoll lebendige Skizze mit der Jahreszahl
1550, die Rudolf Riggenbach zuerst als Arbeit
Wolf Hubers erkannt hat, läßt den Schluß zu,
daß jene höfische Periode der Kreuzesallegorie
nicht die letzte in seiner Entwicklung gewesen
ist (Abb. S. 224). Marcus Curtius, auf schnaubendem
Roß sich in den Abgrund stürzend — eine

DARSTELLUNG IM-TEMPEL

Szene voll barocken
Ungestüms, von einer
zeichnerischen
Kraft, die unmittelbar
an Elsheimer
und Rembrandt erinnert
. Die kleine
Skizze läßt ahnen,
welche Kontinente
deutscher Kunst uns
versunken sind. Der
späte Huber hat vielleicht
die Lücke geschlossen
oder doch
verringert, die zwischen
den deutschen
Meistern des
16. Jahrhunderts und
dem Auftreten Rem-
brandts klafft. Ein
Geist voller Widersprüche
, verbindet
er scharfe Beobachtung
der Wirklichkeit
, selbst des derben
Alltags, mit einer
fast ästhetenhaften
Freude am zwecklos Spielerischen in der Kunst;
so überwindet er gleich dem großen Holländer
das geschlossene, aber eben deshalb auch begrenzte
Persönlichkeitsideal der Renaissance
durch die lebendige Kraft, die er aus der überpersönlichen
Erhabenheit der Natur zieht.

Weinberger

GEDÄCHTNISAUSSTELLUNG
FRANZ RUMPLER (1848/1922)
IM WIENER KUNSTLERHAUS, WIEN

Cein Porträt als Jüngling: ein verträumter Ro-
^ mantiker mit wallenden braunen Locken. Das
Porträt seiner Mutter (aus der Österreichischen
Galerie) : eine schlichte Bäuerin mit großen, erregten
, leidvollen Augen. Sein Porträt als Mann: ein
stürmischer und doch versonnener Kämpfer mit
vogelartigen, kühnen, scharfen Augen. Und sein
Werk : ein Triumph der farbenseligsten Tonmalerei
, oft ganz verschmachtend weich, manche
Landschaft wie in Tränen gebadet. Farbe, nur
Farbe — ein unendliches Entzücken. Was Form,
was Linie, was Komposition der Massen — im
Blühen und Glühen und Sprühen des vibrierenden
Elementes ist alles Glück. Sommerliche Weichheit
, ja Schlaffheit und Üppigkeit, nie Winterbilder,
nie Vorfrühling, nie etwas Herbes, Hartes. Bilder
schon aus den 70 er Jahren erinnern an die späteren
Schotten, die Boys of Glasgow, mit ihren
zerfließenden Farbmassen, hier und da an die teppichartige
Manier Brangwyns. Nur noch gelöster,
süßer, bestrickender. Oft spürt man die Farbe wie
ein sanftes Gleiten einer elektrischen Hand über

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