http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_49_1924/0266
Die Kraft des Überdrusses ist eine größere
schöpferische Gewalt des Daseins als die Kraft
des Wohlgefallens. Die erste treibt zum Verändern
, die zweite nur zum Erhalten.
-X-
Die großen Kunstwerke sind die einzigen
Festungen, die von der Zeit nicht gestürmt
werden. Wo sich eine geistige Macht in ihnen
festsetzt, ist sie unüberwindlich.
Das zeigt die katholische Kirche.
• ■-' *
Das Schattenreich der Griechen, in dem die
Abgeschiedenen weiterleben müssen als blutlose
Schemen, sieht man schaudernd verwirklicht
, wenn man um sich schaut in der Kunst
J. v. SCHRAUDOLPH
seiner Zeit. Die Alten dachten es sich schlimmer
als das Nichtmehrsein.
Wie fein sie empfanden!
Vor hundert Jahren sagte man: Wenn ein
Raffael ohne Arme geboren wäre, würde er doch
der große Künstler sein.
Heute sagt mancher: Wenn ein Raffael ohne
Augen geboren wäre, könnte er doch ein großer
Künstler sein.
Wenn man die unwirklichen Vorstellungsbilder
heutiger Künstler sieht, wird einem klar,
wie wenig man von der unfixierten Kunst
derer weiß, die nur im Geiste schauen können.
*
Nur wer trunken sein kann vom Wein des
eigenen Blutes, darf Künstler werden.
Fritz Schumacher
i
MOSES IM BINSENKÖRBCHEN (ZEICHNUNG)
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