Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 49. Band.1924
Seite: 256
(PDF, 115 MB)
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Stimmung wieder, die auf einzelnes freien Verzicht
leistet und orgiastisch in die Zentralsonne
starrt. Ein Selbstbildnis aus dieser Zeit gibt
mit irrational floreszierender, beiderseitiger Beleuchtung
vollen Zugang zum Innersten und
Besten des Künstlers. Er erschließt sich ganz,
ohne Selbstliebe, nur in Ehrfurcht vor der
eignen Bestimmung. Die „Frau im Mondlicht"
von igig fordert zum Vergleich mit Schwind
heraus. Dasselbe Motiv. Hier wie da sieht sie
im Morgengewand aus dem Fenster ins Freie
dem Beschauer abgewandt. Schwind will ein
reizendes ■ Motiv festhalten, ein einfaches Mädchen
blickt ins Freie, anspruchslos, blumenhaft.
Hier aber sieht eine Frau in den Mond. Er
glimmt in regsamen Spiralen, unten ein tiefschweigender
Bau. Aber sie ist getrennt von
dem ihr nicht Wegzudenkenden, der Gedanke
beherrscht sie, jeder Zoll ihres Wesens von

Empfindung durchtränkt; bescheiden, weich,
anlehnend zieht sie den Vorhang zurück und
holt aus beredter Nacht Zusprüche, die ihr den
Entfernten ersetzen mögen. Haar, Gewand,
Haltung von nicht zu überbietender Einfachheit
, das Ganze durchseelt von Waskescher
Lyrik, die im Farbenglanz noch weit mehr
zur Geltung kommt.

Waske hat auch als Graphiker Großes geschaffen
, besonders seine beiden Mappenwerke,
die Apokalypse und der Simsonzyklus bezeugen
seine wandelbare Gestaltungskraft. Der Apokalypse
war auch sein großes Secessionsgemälde
„Anbetung der Ältesten vor dem Stuhl Gottes"
entnommen. Unter den lebenden Künstlern gehört
Erich Waske zu denjenigen, die die Weihen
echter Priesterschaft mit Würde und Größe
tragen, denen Kunst und Kultus ein Begriff
geworden sind. C. Fries

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