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MAX LIEBERMANN
Ausstellung der Akademie der Künste, Berlin. —
ENKELIN MIT WÄRTERIN
Mit Genehmigung von Paul Cassirer, Berlin
Der Gegenstand, um den es sich handelt,
ist von einem so hohen Ernst nicht nur deshalb
, weil er die höchsten und letzten Fragen
betrifft, sondern weil die Beschäftigung damit
eine ungeheuere Verantwortung gegenüber dem
Gemütsleben des Volkes in sich schließt. Die
Gefahr ist keine geringe, daß unüberlegte
Schritte zur Gefährdung der religiösen Empfindung
des Volkes führen; daß, indem man
die tatsächlich veralteten und schwachen Werke
der überlieferten Richtung verwirft, man dafür
ungegorene neue Schöpfungen an ihre
Stelle setzt, die zu Steinen des Anstoßes werden
und die Seele der Gläubigen erst recht
verletzen. Die religiöse Darstellung ist ein
Symbol des Göttlichen. Mit ihrer Form muß
sich deshalb im Gemüt des naiven Menschen
die Vorstellung von dem Göttlichen selbst unlösbar
verbinden. Guardini, einer der Führer
unter den katholischen Theologen unserer Zeit,
hat darauf hingewiesen, wie stark dem Gedächtnis
des heranreifenden Kindes das Bild
der Gottesmutter oder des Christus, vor denen
es seine Gebete verrichtet, sich einprägt, so-
daß der erwachsene Mensch im Kampfe des
Daseins und der Glaubensanfechtung nur
schwer die Vorstellung dieser Gottesbilder loswerden
kann. Eine süßliche oder häßliche
Christusfigur verfolgt den naiven Menschen
bis in sein späteres Leben und es bedarf vieler
innerer Arbeit, ehe er von diesen Jugendeindrücken
sich befreien kann.
Eine sachliche Aussprache über die religiösen
Kunstfragen läßt sich am ehesten auf den
Gebieten des Kirchenbaues und des Kunsthandwerks
herbeiführen, weil sich da die formalen
Dinge klarer fassen lassen, als in der
figürlichen Plastik und Malerei, in denen der
seelische Ausdruck mitzusprechen hat. Kirchenbau
und Kunsthandwerk stehen mit Fug
auch im Mittelpunkt der Tagungen und literarischen
Besprechungen aller Freunde religiöser
Kunst.
Für Deutschland ist die Erörterung dieser
Fragen durch die Spaltung unseres Volkes in
die katholische und die evangelische Religion
weit schwieriger als für die Länder mit einer
einheitlichen Kirche. Dies trat wieder in den
Vorträgen der dänischen, schwedischen und
englischen Geistlichen auf dem jüngsten Berliner
Kongreß vor Augen. Der katholische
Kirchenbau gestaltet das Gotteshaus in erster
Linie aus als Stätte der Anwesenheit Gottes,
als Andachtskirche, als Sakralbau, in dem die
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