http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_49_1924/0339
FRITZ KLIMSCH
Ausstellung der Akademie der Künste, Berlin
VERSONNENE
Sinne der lebendigen Gegenwart zweifellos mit
größeren Schwierigkeiten verbunden. Das beweisen
viele der eifrigen Bemühungen der Benediktiner
-Kongregation. Große Verdienste um
die Förderung in dieser Hinsicht haben sich
erworben der Landrat von Reumont in Erkelenz
im Rheinland, der sich der Wallfahrtskunst
von Kevelaer angenommen hat, Dr. Witte
in Köln, der Leiter des dortigen Instituts für
kirchliche Kunst, sowie die Erzbischöfe Dr. Bertram
von Breslau und Dr. Schulte von Köln.
Mit wenigen Worten können hier nur die
Probleme in Beziehung auf die figürliche religiöse
Kunst der Gegenwart, also ihr Verhältnis
zur modernen Bildnerei und Malerei besprochen
werden. Da liegt eine der größten
Schwierigkeiten in der Trennung der gebildeten
Kreise von der großen Masse des Volkes.
Die Führer und die Träger der modernen
Kunst gehören ausschließlich den gebildeten
Kreisen an. Das Verhältnis des gebildeten modernen
Menschen zu Gott ist im allgemeinen
durch seine persönliche und vergeistigte Einstellung
scharf unterschieden von dem der weit
überwiegenden Mehrzahl der naiven Gläubigen
in den breiten Schichten. Der Bauer, der Bergmann
, der Schiffer, der kleine Gewerbetreibende
und Handwerker und die ganze Menge
der Kirchenbesucher stehen den Geheimnissen
des Glaubens und den Formen des Kultus einfach
hinnehmend gegenüber. Wer an die Stelle
der diesen Leuten durch Gewohnheit lieb- und
verehrungswürdig gewordenen Gottesbilder moderne
setzen will, muß sich fragen, ob diese
Neuschöpfungen tatsächlich den die christliche
Volksgemeinschaft bewegenden Empfindungen
Genüge tun; ob sie den ihr Kind zur Taufe
bringenden Leuten des Volkes, ob sie dem zur
299
38*
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_49_1924/0339