Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 49. Band.1924
Seite: 302
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KARL HOFER

Ausstellung der Akademie der Künste, Berlin

KARTENSPIELER

Einsegnung an den Altar tretenden Kinde, dem
zur Trauung schreitenden Brautpaar, den um
einen der Ihrigen trauernden Leidtragenden
Denkmäler der Andacht, der Erhebung, der
Mahnung und des Trostes sind; ob darin die
dem modernen Kunstwerk eigentümliche einseitige
Betonung des persönlichen Denkens und
Empfindens — die Monomanie des modernen
Künstlers — überwunden und jener Ton volksmäßigen
Gefühls angeschlagen ist, der großartiger
als irgend sonstwo beispielsweise in den
Altarbildern des Rubens aus der Tiefe des
flämischen Volkstums erklingt. Deshalb ist es
so überaus schwierig, zwischen der Kirche und
der extremsten modernen Kunstrichtung eine
gangbare Brücke zu schlagen. Jeder Einsichtige
, der noch an einen Funken religiösen Instinktes
in unserem Volke glaubt, wußte vorher
, daß das expressionistische Holzkruzifix
von Gies für den Dom in Lübeck durch die
Gemeinde vom Gewölbe heruntergeholt und zerhackt
werden würde, wie es dann auch geschah.

Nicht den Künstler, dessen ernsthaftes Ringen
und plastische Begabung anerkannt werden
muß, trifft ein Vorwurf, sondern diejenigen,
die ein solches Werk kraft ihrer Position unserem
Volke aufzwingen wollen. Es sind das
die gleichen Leute, die die religiöse Kunst
Schmidt-Rottlufs — dessen kraftvolle Begabung
wiederum unbestritten bleibe — durch
den Gesang von „Ein feste Burg ist unser
Gott" den Beschauern schmackhaft machen
wollten. Wird die evangelische Kirche durch
derartige radikale Ästheten bedroht, so erwachsen
der katholischen Kirche Gefahren von
Seiten einer gewaltsamen Mystik. Ich möchte
hier ausdrücklich feststellen, im Gegensatz zu
einer Erklärung anläßlich der Berliner Tagung,
daß die Monumentmalereien von Oeser in
Mannheim — unerachtet des großen Wollens,
das in ihnen steckt — weder von der katholischen
Kirchenbehörde noch von gebildeten
Katholiken als geeignet erachtet werden, in der
Kirche Aufnahme zu finden.

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