http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_49_1924/0346
M. ZELLER STURM IM WALDE
Ausstellung der Akademie der Künste, Berlin
zwischen ihr und der Kirche möglich ist. Betrachtet
man die umfangreichen und reizenden
kirchlichen Wandgemälde des Dänen Joachim
Skovgard im Dom in Viborg, die uns auf der
Berliner Tagung in Lichtbildern vorgeführt
wurden, so ist zu bedenken, daß die Voraussetzungen
zu einer solchen Kirchenkunst wohl
in den besonderen Bedingungen des naiven
und gesunden Bauernvolkes Dänemarks liegen,
daß aber aus den deutschen Verhältnissen der
Gegenwart schwerlich ein monumentaler Kirchenmaler
von solcher Reife erwachsen kann.
Diese kurzen Ausführungen werden wenigstens
dargetan haben, wie schwierig allein schon
die Grundprobleme sind, die die religiösen
Kunstbestrebungen in Deutschland zu beachten
haben, wie groß der Takt sein muß, mit der
diese Frage zu behandeln ist. Aber noch größer
muß die innere Wahrhaftigkeit aller derjenigen
sein, die sich in den Dienst dieser hehren Aufgabe
stellen wollen. Es will dem Berichterstatter
nicht in den Kopf, daß dieselben Leute,
die noch vor zwei Jahren den expressionistischen
Gottesdienst in Lübeck und die Ausgeburt
des Lübecker Christus gefördert haben,
dieselben Leute, die jedes sachliche unparteiische
und stille Streben, wenn es ihnen gelungen
wäre, unter dem Schlagwort der „modernen
Richtung" unterdrückt hätten, nun — wo das
Blatt sich zu wenden beginnt — von der
Demut des Künstlers vor Gott und von dem
großen Schweigen im Gotteshause zu reden
beginnen. Jetzt, wo der Wind sich gedreht hat,
werfen sie das Segel herum und beginnen ihre
Sprüche mit Verbeugungen vor den hohen
katholischen Kirchenfürsten. Unser Volk, dessen
Stärke sich nur auf individuellem Wege entfaltet
hat und wieder entfalten kann, muß diese
höchsten Fragen aus eigener Kraft unter Zusammenschluß
der tüchtigsten und ehrlichsten
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