Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 49. Band.1924
Seite: 320
(PDF, 115 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_49_1924/0360
werk. Überraschungen und Seltenheiten birgt die
Ausstellung in Menge, ich weise nur auf einen
wundervollen vorrömischen Schnorr von Carolsfeld
und auf Radierungen Blechens, sowie auf ein ungeschnittenes
Original von Rethels Totentanz hin.

Ein Januskopf ist diese Ausstellung; und nie
hat man der Romantik und den Biedermeiern so
nahe gestanden wie heute. Dr. Johannes Rentzsch

NEUE KUNSTLITERATUR

Giedion, S., Spätbarocker und romantischer
Klassizismus. 240 S. mit 101 Abbildungen.
München, F. Bruckmann A.G. Gebunden 8 M.

Der Klassizismus von 1800 steht im Zeichen
doppelten Interesses. Einmal für die heutige Kunst,
die nach den mächtig bewegenden Einströmungen
letzter Zeit sich nach kräftig kühlender, festigender
Ruhe sehnt. Andrerseits für die Wissenschaft,
der gerade für die 1800-Periode noch eine Fülle
ungelöster geistesgeschichtlicher Probleme harren.
Trotz beträchtlicher Vorarbeiten auf verschiedensten
Gebieten konnte der sogenannte Klassizismus,
mindestens innerhalb der bildenden Kunst, als
fruchtbarstes Arbeitsfeld noch offen vor uns liegen,
was leicht zu begründen ist. Die letzten Generationen
haben sich mehr für den seelisch reich
bewegten Naturalismus des Barock erwärmt oder
andrerseits für die still schwärmerischen Fernen
der Romantik. Indem nun eine Reaktion einsetzt,
dürfte sich auch das stets bedingte wissenschaftliche
Interesse umstellen. Es dürfte sich zugleich
erweisen, daß auch diejenigen Kunstgebiete, die
vor 100 Jahren nicht im produktiven Vordergrund

gestanden scheinen, mehr vom Geiste dieser großen
Zeit Europas in sich tragen, als man unter der
äußeren Rezeptionshülle vor allem der Architektur
bisher gesehen hat. Unter der Reihe der Arbeiten,
die über dies Gebiet erschienen (und in Aussicht
stehen), muß die von S. Giedion als eine kräftige
und entschlossene Leistung gerühmt werden. Sie
weiß, ohne allzu umschweifend vom Lebensgefühl
der Zeit zu reden oder gar mit an- oder absprechenden
Werturteilen in den Vordergrund zu treten,
den Bau- und Raumkörper der Architekturen selbst
zu greifen. Wobei sinnenstark und anschaulich
vorgegangen wird, ohne daß die systematisierende
Abstraktionskraft wiche. Zuerst wird die Schichtung
und Durchbildung der Wand gegeben, dann
die Raumbildung und schließlich die Raumfolge.
Kein Mensch wird das Buch verlassen, ohne wichtige
Einsichten mitgenommen zu haben, besonders
ist es auch den Architekten zu empfehlen. Auf
wissenschaftliche Einzelfragen ist hier nicht einzugehen
. Gesagt sei nur, daß die Haupttendenz
des Buches darin liegt, den 1800-Klassizismus
mitten durchzuteilen und die eine Art als latentes
Barock, die andre als schon vorhandene Romantik
anzusprechen. Fällt dadurch ganz neues Licht auf
die verschiedensten Erscheinungen (besonders auch
auf Schinkel), so mögen doch weitere Diskussionen
festlegen, ob wir wirklich von einer dritten Sonderstruktur
lassen dürfen, die weder Barock noch
Romantik ist (Gilly etc.). Dies gilt auch, wenn
es sich nur um einen schmalen Grat handeln sollte,
den man abtragen möchte, wie etwa bei der Renaissance
im Sinne der „Klassischen Kunst", wo
ebenfalls und aus verwandter Zeitstellung heraus
mancher Forscher heute nur ausklingendes Mittelalter
oder einsetzendes Barock sehen möchte. Roh

WILHELM VON KOBELL DER JÄGER

Aasstellung ,,Romantik und Biedermeier"
Aus W. Lessing, ,,W. v. Kobell", Verlag F. Bruckmann, München

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