Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 49. Band.1924
Seite: 326
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FRANK BRANGWYN

DIE GEBURT CHRISTI

lieh überall gelegentlich genießen können:
Irgend ein Boot, eine Brücke, eine Straße,
ein Wrack, eine Hauswand, ein Gerüst, eine
Mühle, ein Fels, Neubauten und Ruinen, irgend
ein Gestänge, das den Raum vor unsern Augen
mit starken Diagonalen durchschneidet, oder
ein Baum, ein großes Geäst, Maschinen und
Rauch — das alles machte die Bilderwelt dieses
Künstlers, wenigstens bisher, aus. Nur gelegentlich
oder als Mittel zum Zweck des Gesamtbildes
gab er auch einige Arbeiter oder Menschenmassen
.

Nun scheint er lieber, jedenfalls häufiger als
früher, den Menschen selbst sein künstlerisches
Augenmerk zuzuwenden. Arbeiter auf der Werft,
Trinker in der Weinstube, Bettler in der Kirche,
Hirten in der Herberge usw.

Hat sich aber damit etwa der Eindruck, den
wir bisher von seinem Schaffen erhielten, sehr
geändert?

Nein. Die entscheidenden Elemente seiner
künstlerischen Komposition und Wirksamkeit
sind ganz dieselben geblieben. Und fast möchte
man bedauern, daß der Künstler, den man
längst als großen Dekorator- Graphiker geschätzt,
seiner ursprünglichen Welt untreu geworden
zu sein- scheint.

War doch alles, was er bisher gab, groß,
war doch alles irgendwie künstlerische Vergrößerung
einer im Wirklichen oft kleinen
und unscheinbaren Umwelt. Zweifellos hat er
das Gute gewirkt, daß mancher, der sich seine
radierten Gegenstände angesehen, nun auch in
der Wirklichkeit gewöhnte, das Unscheinbare
als etwas unter Umständen Gewaltiges anzuschauen
und wie etwas Außergewöhnliches zu
genießen.

Nicht eigentlich monumental sieht Brangwyn
die Bauten und Gerüste, er sieht sie nur größer,
malerischer, unruhiger, lebendiger als wir das
bis dahin auf den Blättern unserer Graphiker
gesehen. Im ganzen graphischen Werke Brang-
wyns sind Monumentalität und Unruhe, sind
Aktivität und Ruhe hart beieinander und das
wirklich Architektonische und Tektonische löste
sich oft in graphische Verblasenheit auf. Aber
es war stark auf schwache Augen wirksam.
Alles hatte verlockende Akzente. Sein Schwarzweiß
ward zum Rausch, seine Wände und
Räume sind wie von Feuerwerk beleuchtet.
Jede Straße ward Bühne mit großen Versatzstücken
und durch entsprechende Beleuchtungseffekte
ward auch Kleines riesenhaft. So schuf
Brangwyn immer so etwas wie festliche Ge-

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