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den. Das eine, David und Saul darstellend,
wird in den Lebenserinnerungen eines alten
Mannes, die Kügelgens Sohn niedergeschrieben
hat, mit folgenden Worten erwähnt: „Mit seinem
ungeheuren Kosakenbart und großen düsteren
Augen hatte er (Friedrich) ein treffliches
Modell zu einem Bilde meines Vaters
abgegeben, das den König Saul darstellt, über
den der böse Geist vom Herrn kommt. Doch
wohnte in ihm vielmehr ein Geist, der keine
Fliege kränken, viel weniger geneigt sein konnte,
den frommen Harfenisten David zu erlegen____"
Schwächer als dieses interessante Bild, das
einer öffentlichen Galerie nicht zur Unzierde
gereichen würde, ist das zweite Gemälde, das
in unerfreulichem Pathos etwa Abraham und
Isaak darstellen könnte. — Diese beiden Gemälde
Kügelgens stammen übrigens wie einige
f. g. kersting
von den Graffschen Bildnissen aus Kurland
und sind von dort nach langer Verschollenheit
wieder in den Bereich ihres Entstehungsortes
zurückgelangt.
Man sieht weiter in der Sammlung zwei
kleine Bilder von Ludwig Richter, deren
eines aus seiner mittleren Lebenszeit — „Heimkehrende
ländliche Familie mit Ziege" —
besonders reizvoll ist, weiter von Caspar David
Friedrich (1774—1840) eine „Hütte im
Schnee", ein kleines Bild, das sich durch kräftigen
Natursinn auszeichnet, und von J. Chr.
Claussen Dahl (1788—1857) einen „Blick auf
Dresden bei Nacht". Eben tritt der Mond aus
einer schwarzen Wolke hervor, deren Ränder
er mit seinem Lichte kräftig erglänzen macht.
Dieses erstaunlich schöne Bild, das im Gegensatz
zu den romantischen Neigungen der Zeit
in seiner kraftvollen Stimmung
ganz der Natur abgelauscht
ist, erscheint als Studie
zu dem im ganzen wenig
veränderten großen Bilde, das
sich in einer Privatsammlung
zu Kristiania befindet, und ist
wie oft frischer und naturnäher
als das vollendete Bild.
Mehr Romantik — wenigstens
im Motiv — ist in dem
„Dorfkirchhof" mit den aufragenden
eisernen Kreuzen,
die sich vom mondhellen Himmel
abheben. Es stammt von
dem Hofleibarzte und Maler
Carl Gustav Carus (1779 bis
1869), der als Schriftsteller
das „Erdlebenbild" vertrat
und in seinen eigenen meist
kleinen Gemälden die Beispiele
dafür gab. Die feine
Tönung des Himmels zeigt
immerhin, wie trefflich Carus
Luft und Licht, die stimmunggebenden
Elemente der
Natur, zu beobachten und
wiederzugeben verstand. Naturnäher
, weitab von romantischer
Auffassung, steht daneben
eine Waldlandschaft
von demselben Künstler, der
in seinen besten Werken weit
über den Dilettantismus hinausgewachsen
ist.
Wir nennen weiter als ein
hervorragendes Stück der
Ausstellung den Nemi-See
l^^^MM^^^B von dem jung verstorbenen
Kinderbildnis Schwiegersohne Graffs C. L.
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