http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_49_1924/0394
in ganz Europa herumreiste, überall für sein
Museum berühmte Männer modellierend, war
wohl ein künstlerisches Ereignis, würdig, durch
den Pinsel eines angesehenen Malers festgehalten
zu werden.
Wenn man der Ästhetik einer bestimmten
Richtung in der Kunst glauben wollte, so gäbe
es immer nur eine einzige gültige Kunstweise,
eine einzige Möglichkeit, künstlerisch zu genießen
. Diese Ansicht mag den künstlerischen
Willen einer Richtung stärken und deshalb
subjektiv berechtigt sein. Im übrigen ist sie
verfehlt. Kein Künstler kann mich hindern,
mich einmal an Slevogt oder Marc ästhetisch
zu „berauschen", wie der neueste philosophische
Ausdruck lautet, ein andermal bei Klengel,
Mechau, Carus oder Faber den künstlerischen
Rausch zu haben, mich einmal an unerhörter
Farbenpracht, das andere Mal an einem ganz
sachlich gesehenen und peinlich durchgeführten
Gegenstandsbilde zu erfreuen. Und noch
eins: jeder Richtung ist der Untergang beschieden
, kaum 30 Jahre wird ihr in unseren
Zeiten die Herrschaft gegönnt. In Bezug auf
die Kunstrichtung, der die Ausstellung bei Rusch
gewidmet ist, macht Carus in einer seiner
Schriften 1839 die melancholische Bemerkung:
„Es ist seltsam, wie doch jene ganze Kunstperiode
, in welcher Friedrich, Vogel, Klengel,
Matthäi, Rößler und Hartmann tätig waren,
jetzt schon so ganz untergegangen oder durch
die neu aufgehenden, sich hier fixierenden
Zweige Düsseldorfer Schule weit zurückgedrängt
ist. Da meine Kunstbestrebungen selbst
noch mehr in dieser früheren Zeit wurzelten
und immer mit denen Friedrichs so nahe verwandt
waren, so macht mir dies oft einen
eigenen wehmütigen Eindruck." Und weiter
C. D. FRIEDRICH
HÜTTE IM SCHNEE
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