http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_49_1924/0409
ERICH ERLER HORNRUF
Ausstellung der Münchener Secession
malen Möglichkeiten des beginnenden Expressionismus
erst empfindlich gemacht für die
Süßigkeit und die Herbheit, für das aktiv Innervierte
oder passiv Sinkende und Lastende, das
in dem Linienduktus des Konturs, das in der
Durchbildung der Binnensilhouette beschlossen
liegen kann.
Als Künstler, denen diese Möglichkeiten mehr
oder weniger aufgegangen sind, wären zu nennen
z. B. Julius Drexler, F. Wetzstein, J. Wer-
son und K. Kiefer, H. Leitherer. Von Fritz
Behns „Kameraden" ist die geneigte Figur gut;
das Passive, die Schwere des Daseins kommt
zum Ausdruck, aber die jähe Gerade des langgestreckten
Armes der rechten Figur stört ungemein
. Ein Fehler vieler Plastiken ist, daß
sie nicht auf eine bestimmte Ansicht hin gearbeitet
sind. Bei Alfred Glasers „Ruhende"
ließe sich eine gute, melodisch klingende Ansicht
von der Seite gewinnen, wenn nicht das
vorstehende linke Knie so empfindlich stören
würde. Auch Hans Faulhabers „Trauernde"
wäre gut: die Neigung des Oberkörpers, des
Hauptes und des Armes geht zusammen, aber
der rechte Arm stößt plötzlich vor, er ist in
die Komposition nicht notwendig eingebunden.
Man scheint immer zu vergessen, daß „Homogenität
" der formalen Struktur notwendige Voraussetzung
wie für jedes Kunstwerk so auch
für jede Plastik ist. Und es ist nur ein Sonderfall
, wenn die Klassik und auf ihr fußend
Hildebrand die Einstellung auf zur Bildebene
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