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ARCH. WELLERMANN & FRÖLICH-BREMEN
München-Hellerau. Während die „Vereinigten
Werkstätten", die mit als die ersten und durchaus
führend, ein wesentliches Künstlerunternehmen
waren, verband sich in jenen Handwerklich
-Technisches und Künstlerisches; während
die „Vereinigten" allmählich wieder zum
antikisierenden Möbel zurückgingen, haben die
„De We" nie ein solches Stück gefertigt und
sind wohl die stilreinste moderne Möbelfabrik.
Sie folgten stets der neuen Kunstrichtung, ja
haben diese wesentlich mitbestimmt, selbst geführt
. Alle maßgebenden Künstler wurden im
Laufe eines Vierteljahrhunderts ihre Mitarbeiter
und haben hier vielfach ihr Bestes geleistet.
Zunächst galt es für die Mietswohnung eine
praktische und geschmackvolle Einrichtung
schlichter Art zu schaffen.
Man ging sogar daran, für Arbeiterwohnungen
geeigneten Hausrat herzustellen; starke
sozial-kulturelle Instinkte waren von Anbeginn
in den „De We" wirksam. Die Münchner Ausstellung
igo8 brachte von alldem gute Proben.
Vorher schon erwies sich das Unternehmen
als das erste, das den Jugendstil überwunden
und über die Biedermeieranklänge hinweg zu
einer sachlichen, klaren und gefälligen Grund-
WOHNHAUS IN BREMEN: ARBEITSZIMMER
form eigenen Charakters vorgedrungen war.
Auf der denkwürdigen Dresdener Ausstellung
von igo5 errangen die „Werkstätten" einen
großen Erfolg durch ihre „Maschinenmöbel",
die nach künstlerischen Entwürfen auf Grund
sich wiederholender Hauptteile logisch, ökonomisch
, schnell und gediegen hergestellt werden.
Daneben erstanden aus gleichem Geist die
frühesten einheitlichen Einrichtungen für Läden
, Gaststätten, Bureaux und selbst Schiffe.
Neben dem Ringen um eine möglichste Gesamtwirkung
wurde das Einzelmöbel immer
mehr verbessert und hierin eine typische Erscheinung
erstrebt, aus der technisch-sachlichen
Einstellung die neue ästhetische Form gewonnen
. Dadurch besitzen wir heute eine charakteristische
Bürgereinrichtung eigener Art.
Mit nicht geringerem Eifer wurde das vornehme
Möbel und die reiche Wohnung bedacht.
Hiefür gaben die besten Künstler ihr Bestes,
erlesene Hölzer wurden vielfach handwerklich
verarbeitet, verlässigste Farben, Beizen und
Lacke kamen zur Verwendung, die komfortable
Gebrauchsfähigkeit wurde immer mehr gesteigert
. Auf solche Weise erstand aus der künstlerischen
Grundstimmung der immer inniger
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