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JUBILÄUMSAUSSTELLUNG IN GOTENBURG 1923
Schließlich sei das reizende Lisebergs-Restau-
rant nicht vergessen, ehemals ein vornehmes
Landhaus außerhalb der Stadt, dessen hübsche
Proportionen und unaufdringlicher Reichtum
ein ruhender Punkt in der großen Zahl der
flüchtigen baulichen Erscheinungen darstellt.
Allerdings ist es auch nur als fertiges Haus in
den Ausstellungskomplex einbezogen worden.
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Die große, verzweigte Ausstellung hat in ihrer
kunstgewerblichen Abteilung den Grundsatz
strengster Auswahl der neuesten Qualitätswaren
aufgestellt und durchgeführt. Dadurch ist es
gelungen, auf einem verhältnismäßig kleinen
Raum ein gedrängtes und eindrucksvolles Bild
dieser Seite des schwedischen Lebens zusammenbringen
. Die Kostbarkeiten, die zweifellos
viele Millionen von Goldmark Verkaufswert
haben, sind in 3 Stockwerken in einem besonderen
Gebäude untergebracht, dessen Räume
sich an einen großen Lichthof anschließen. In
der Tiefe plätschert ein munterer Brunnen in
ein Backsteinbassin. Die Treppen steigen in
halbdunklen Schächten langsam an.
Ungezwungen betritt der Besucher die links
gelegenen Räume und sieht sich zuerst den Er-
PLATZ VOR DER EXPORTAUSSTELLUNG (RECHTS)
Zeugnissen des Hausgewerbes oder des Hausfleißes
gegenüber. Das Hausgewerbe hat sich
in Schweden länger als in anderen Ländern erhalten
, was nicht nur darauf zurückzuführen ist,
daß in dem schwachbevölkerten Lande mit seinem
unentwickelten Verkehrswesen die Landbewohner
ganz von selbst darauf kommen, gewisse
Produkte selbst herzustellen und aus dieser
Tätigkeit einen Nebenerwerb zu machen,
sondern es ist auch treu gepflegte Überlieferung,
mit Eifer und Schönheitssinn der Herstellung
von Web- und Holzarbeiten zu obliegen. Die
Ausstellung zeigt eine Reihe Teppichwebereien
aus verschiedenen Landesteilen.
Eine Abteilung für sich bilden die ausgestellten
Arbeiten der bekannten Stockholmer Vereinigung
„Handarbetets Vänner" (Handarbeits-
Freunde). Wohl nirgends in der Welt ist die
Veredelung der Textilkunst so zielbewußt und
erfolgreich in die Hand genommen worden wie
gerade in Schweden zu Anfang der achtziger
Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Die Gründung
der Gesellschaft knüpft sich an den Namen
einer kunstsinnigen Aristokratin, der Baronin
Sophie de Leijonhufoud-Adlersparre, die es sich
zum Ziele setzte, eine volkstümliche häusliche
Webekunst einer künstlerisch hohen Entwick-
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