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ARCH. A. GRENANDER-BERLIN
RITTERGUT RINGELSDORF:
EINGANG ZUM HERRENHAUS
NEUBAUTEN AUF DEM RITTERGUTE RINGELSDORF
VON ALFRED GRENANDER
Die Neubauten, die Alfred Grenander im Auftrage
des Kommerzienrats Hermann Stilke
in Berlin auf dem Gute Ringelsdorf ausgeführt
hat, sind deshalb besonders beachtenswert, weil
hier mit glücklicher Hand im Anschluß an eine
ältere Gutsanlage unter möglichster Ausnutzung
und Wahrung des Vorhandenen eine harmonische
Neuschöpfung zustande gekommen ist.
Grenander, dessen Weltruf begründet worden
ist durch die musterhaften Bahnhöfe der Berliner
Hoch- und Untergrundbahn, hat durch
diese Gutsbauten erneut seine schon wiederholt
bewiesene Bewährung als Architekt vorzüglicher
Landhausbauten bestätigt. In einem
besonderen Falle wie diesem, wo unter Benutzung
einer älteren Schöpfung mit möglichster
Beschränkung der Mittel Neues zu schaffen
war, beruht das Gelingen zu einem großen
Teil in dem taktvollen Hand-in-Hand-Arbeiten
des Baumeisters mit dem Bauherrn. In Kom-
merzienrat Hermann Stilke — einem Manne,
der, beiläufig bemerkt, als Inhaber der Bahnhofsbuchhandlungen
der Untergrund- und der
Stadtbahn und der Berliner Kioske eine wichtige
Stellung in dem Kulturleben der Weltstadt
einnimmt — hat Grenander einen allzeit verständnisvoll
auf die Vorschläge des Baukünstlers
eingehenden kunstsinnigen Bauherrn gefunden
.
Das Rittergut Ringelsdorf liegt bei Magdeburgerfort
auf der rechten Seite der Elbe ungefähr
eine Stunde von Magdeburg inmitten
einer flachen waldreichen, von Wasserläufen
reich durchschnittenen Gegend. Die Gruppe der
Wohngebäude ist von einem alten Park umgeben
. Das eigentliche Gutshaus, von dem hier
keine Abbildung der Gesamtansicht beigegeben
ist, ist nur ein Umbau eines älteren kunstlosen
Gebäudes unter Beibehaltung der Außenmauern
und eines Teils der inneren Wände. Einer
der von Grenander hinzugefügten Treppenaufgänge
mit Terrasse und Türen ist im Bilde
wiedergegeben. Das Innere wird im Erdgeschoß
durch eine große Diele mit anschließendem
langen Korridor gegliedert. Daran gruppieren
sich die Gesellschaftsräume. Unter diesen
zeichnet sich aus durch Größe und Ausstattung
der Musiksaal, dessen in Weiß gehaltene Möbel
sich abheben von einer großgemusterten rotweißen
schablonierten Plüschtapete, die in der
Dekorative Kunst. XXVII. 6. März 1924
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