Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 50. Band.1924
Seite: 151
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G. OPPEL

Älteste Volkstedter Porzellanfabrik, Volkstedt

NASSES SPIEL

PORZELLANKUNST

Wohl kaum eine andere Kunstgattung stand
lange Zeit so unter dem Schatten und Bann
der geschichtlichen Tradition wie die Porzellankunst
. Spricht man von „altem Porzellan", so
erweckt das Epitheton „alt" immer noch einen
gewissen Respekts-Nimbus; Vorstellungen von
Vitrinen mit filigranen Tassen und graziösen
Nippes tauchen auf, eine eigenartige Patina mit
silbrig verführerischen Reflexen läßt das Alte
noch einmal so distinguiert erscheinen wie
neues Erzeugnis.

Mit Unrecht! Zwar sind und bleiben die
klassischen Stücke der 1707 bis 1715 von Böttger
erfundenen Kunst, rote und schließlich weiße
Erden zu brennen, unübertrefflich und vorbildlich
, zwar mahnt uns die ungleich ältere Porzellankunst
Ostasiens immer wieder daran, unseren
abendländischen Erfinder- und Kunstgeist nicht
überhebend einzuschätzen, waren doch schon
damals Plastiken großen Formats und erhabenen
Stils geschaffen worden — sind doch die Tierstücke
Kändlers, des berühmten Porzellankünstlers
unter August dem Starken, besonders

als handwerkliche Leistung ein technisches
Wunder und Rätsel, die lange Zeit den Mut
zur Nachahmung und Weiterbildung lahmgelegt
hatten: aber alles das sind Einzelerscheinungen,
sie kamen für die allgemeine Wohnungskultur
und Gebrauchskunst als Dekorationselement
der Innenarchitektur im weiteren Sinne kaum
in Betracht — die großen Tierplastiken Kändlers
z. B. sind fast ausschließlich nur in Dresden
als Museumsgegenstände zu sehen.

Hier hat die moderne Kunst eine Lücke ausgefüllt
oder — richtiger gesagt — einen wichtigen
, wertvollen Betätigungszweig zu neuem
Leben erweckt: Das groß-dekorative Porzellan
hat sich einen Platz in der Raumkunst, in der
„Innendekoration" erobert! Es liegt nahe,
Gedankenassoziationen mit den Möglichkeiten
und Aufgaben moderner Malerei anzuknüpfen.
Ebenso wie sich die inflationshaft ins fast Lächerliche
anschwellende Staffeleikunst allmählich
und mit Erfolg auf große dekorative Aufgaben,
auf Probleme der Raumgestaltung, im höheren
— und auch praktischeren! — Sinne bekehrt,

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