http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_50_1924/0195
W. VON WERSIN-MÜNCHEN
Deutsche Werkstätten A.-G., München
KLEINE ZIERGLÄSER
die einzig mögliche, präzise und zugleich notwendige
Gliederung schaffen. Hier zeigt sich,
wie millimeterhafte Zwischenräume und Abstände
entscheidend sind. Interessant ist auch
der glockenblumige Kübel, dessen zerfließend
weicher Form Wersin in den grätschigen Beinen
und dem kantigen Griff eine rassige Versteifung
bereitet. Solche sprechende Einzelheiten modelliert
Wersin gern selber, und sie werden dann
wie zum aromatischen Gewürz, das erst den
entscheidenden Geschmack schafft.
Auch in der Flechterei liebt Wersin vor
allem das Kraftvolle, ohne daß er dabei die
feineren und zarteren Wirkungen vernachlässigte
. Die Stofflichkeit der Weiden enthält eine
rippige Sprödigkeit, aber auch außerordentliche
Biegsamkeit. Sie ermöglicht weitgehendes Spalten
bis zur Seidenfadendünne, zur Glätte und
zum Schliff. Damit umspannt sie die in ihr mögliche
Formenwelt, das Praktisch-Robuste, Derb-
Gesunde, Männlich-Stämmige der sogenannten
französischen Flechtart, wie auch leichte, fein-
gliedrige, einschmeichelnd glatte Bildungen. Was
vom Ganzen gilt, lebt auch in den Teilen und der
Art ihres Gefüges. Die aus Strohborten genähten
Taschen und Behälter gewinnen aus ihrer Feder-
W. VON WERSIN-MÜNCHEN
Dekorative Kunst. XXVII. 7. April 1924
Deutsche Werkstätten A.-G., München
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ZIERGLÄSER
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