Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 50. Band.1924
Seite: 209
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LUDWIG SIEVERT

BÜHNENBILD ZU BYRONS „KAIN"

LUDWIG SIEVERT, EIN GESTALTER DES BÜHNENRAUMS

Man hat sich daran gewöhnt, die Eroberung
des Theaters durch den bildenden Künstler,
wie sie sich in den letzten Jahrzehnten allmählich
vollzogen hat, als einen Markstein in der
Entwicklung der Bühnenkunst anzusehen. Das
ist zweifellos richtig. Und wer sich den Kitsch
und die schablonenmäßige Arbeit durchschnittlicher
Dekorationsmaler vergangener Epochen
vergegenwärtigt, wird sich dieses entschiedenen
Fortschritts aufrichtig freuen. Wäre es Anselm
Feuerbach heute noch vergönnt, unter uns zu
leben, er würde nicht mehr so bitter urteilen,
wie damals, als er schrieb: „Ich hasse das
moderne Theater, weil ich scharfe Augen habe
und über Pappdeckel und Schminke nicht hinwegkommen
kann. Ich hasse den Dekorationsunfug
vom Grunde der Seele. Er verdirbt das
Publikum und erzeugt den Barbarismus des
Geschmacks, von dem die Kunst sich wendet
und den Staub von ihren Füßen schüttelt."

Aber vor lauter Begeisterung über das Erreichte
ist man nur zu leicht geneigt, die Nachteile
, die der absoluten Schauspielkunst aus
dieser Umwälzung erwachsen können und tatsächlich
erwachsen sind, zu vergessen oder zu
übersehen. Auch hier blieben, wie immer, wenn
eine neue Idee zum Durchbruch kommt, Übertreibungen
und Mißgriffe nicht aus. Es gab
Zeiten, wir haben sie alle miterlebt, da gab der
bildende Künstler auf der Szene einzig und allein
den Ton an. „Wer entwirft mir die Bühnenbilder
", war die erste Frage des Theaterleiters —
alles andere kam in zweiter Linie. Das dekorative
Element überwucherte die Dichtung und
überschattete den Darsteller. Um so mehr, als das
Bühnenbild eben „Bild" war, rein malerisch und
zweidimensional gesehen, ohne Rücksicht auf
die eigentümlichen Bedingungen der Bühne als
dreidimensionalerRaum oder auf diegrundlegende
Inszenierungsidee. Das mußte notwendigerweise

Dekorative Kunst. XXVII. 0. Juni 1924

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