Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 50. Band.1924
Seite: 224
(PDF, 92 MB)
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zugleich, so natürlich und überaus klar entwickelt,
daß man beim Schauen und Lesen dieses Werkes
immer wieder von neuem den Wunsch hat, sich
eine ähnliche Welt und Heimat, wie sie sich hier
auf vielen hundert Bildern so herzlich eindringlch
auftut, selbst zu schaffen.

In einem historisch einführendenTeil entwickelt
Ostendorf an markanten Beispielen deutsche Hausund
Gartentypen sowohl nach ihrer äußeren Erscheinung
als auch nach ihrer inneren Organisation
und berücksichtigt dabei sehr anschaulich
— immer an Hand eines reichen Bildermaterials —
die Einflüsse Italiens, Frankreichs und Englands.
Man gewinnt einen Einblick in die inneren Triebfedern
der Gestaltungskunst verschiedener Jahrhunderte
, erlebt das immer höhere Aufsteigen zu
räumlicher Klärung und Sicherheit bis zur Jahrhundertwende
um 1800, kann aber leider nach
diesem Höhepunkt die furchtbare Geschmacksverrohung
der gesamten Baukultur im 19. Jahrhundert
nicht leugnen oder beschönigen.

Der Hauptteil des inhaltsreichen Werkes ist
der Gegenwart gewidmet. Was hier über die Hausund
Gartengestaltung an oft wirklich bis ins Kleinste
beherrschten ,,Beispielen" und „Gegenbeispielen"
gezeigt und gesagt wird, ist im Grunde sehr einfach
, auch der Laie kann es bei einiger Freude
zur Sache verstehen. Und doch ist es unerschöpflich
in seiner Mannigfaltigkeit der Ausformungen.
Immer wieder tauchen neue Situationen auf —■
die wundervolle Materialfülle erklärt sich nur durch
die begeisterte Schülergemeinde, welche Ostendorf
Hilfe leistete — das Kunstprinzip, die Lehrtendenz
in jedem Plan und Wort sind die gleichen: Wenn
Ihr Euch Haus und Garten baut, so stellt nicht
zeichnend Körper dar, sondern gestaltet entwerfend
Räume! Daß Ostendorf bei seiner Vorliebe

für das achtzehnte Jahrhundert manchmal einseitig
die Formen jener Zeit bevorzugt, bleibt dabei verhältnismäßig
nebensächlich; denn es kommt vielmehr
auf den Geist als auf die Form an, mit
denen er in die räumlichen Empfindungs- und
Gestaltungswelten einführt. Deshalb nimmt man
es wohl mit in Kauf, wenn hie und da der Bau
eines bekannten Architekten, dessen Fehler in
anderem Zusammenhang nicht so deutlich würden,
als „Gegenbeispiel" erscheint. Jedenfalls gibt uns
der Verfasser stets volle und präzise Rechenschaft
über die praktischen und künstlerischen Überlegungen
, die bei der Verbesserung des „Gegenbeispiels
" zum „Beispiel" die besondere Entwurfsfassung
veranlaßt haben. Oft ergänzen sich dann
die Gesamt - Situations- und Grundrisse durch
Detailprojekte von einzelnen Räumen, Türen,
Fenstern usw.

Was das Buch vor allem auszeichnet, ist die
überzeugende pädagogische Qualität, die fast mühelos
in das Wesentliche aller Raumkunst einführt.
Sämtliche Abbildungen sind nach einheitlicher
Manier für das Werk neu gezeichnet und erleichtern
so die Auffassung im Großen wie im Kleinen
ungemein. Erscheinung und Organismus sind
immer zugleich kontrollierbar. Vielleicht wäre es
wünschenswert, bei einer weiteren Auflage, die
Quintessenz stich- und schlagwortartig aus dem
Text herauszuziehen und direkt unter die Abbildungen
zu drucken. Ähnliche Stichworte wären
der leichteren Auffindbarkeit halber auch am
Rande willkommen. Das Buch ist keines von den
vielen, die man nur durchblättert und wieder weglegt
, es ist für jeden, der Sinn für seine räumliche
Umgebung von Haus und Hof hat, besonders
aber für den Architekten, eine bleibende,
wertvolle Fundgrube. Herman Sörgei

ANNA KESSLER, PLAUEN I. V.

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