Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 50. Band.1924
Seite: 265
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CHARLOTTE HARTMANN VASE. FAYENCE

Steingutfabriken Velten-Vordamm bei Berlin

nimmt. Die beiden Arten der Ornamentgestaltung
der Töpferei der jüngeren Steinzeit und
der germanischen Tierornamentik sind in ihrem
Wesen grundverschieden. Die Ritzzeichnungen
der noch nicht auf der Töpferscheibe hergestellten
Töpfe sind keineswegs willkürlich spielerisch
auf die Form gesetzt, aber auch nicht
nach natürlichen ästhetischen Gesetzen geordnet
. Für die primitiven Menschen ist das Erzeugnis
ihrer Hände eine Form, die unter dem
Eindruck ihres Formwerdens immer steht, es
ist keine fertige Form, sondern etwas Gewordenes
, was noch das Werden in sich verkörpert.
Ein solches Gefäß ist daher ausladend schwellende
Kraft und langsames oder ruckartiges
Einziehen. Und diese Art der Beherrschung
der Kraft unterstreicht das Ritzornament, es
läßt die Energie nie gefrieren, sondern erhält
ihr dauernd das Leben. Dahingegen steht die
germanische Tierornamentik gar nicht in Beziehung
zur Gesamtform. Bei ihrem Hauptanwendungsgebiet
, der Gewandnadel, schält sich
mehr und mehr eine verzierte Schaufläche heraus,
deren Ornament Selbstwert hat und als solches
für sich bestehen kann. Man muß sich aber
auch vergegenwärtigen, daß dieser Schmuck
der Waffen und Fibeln fast die einzige Kunstbetätigung
der nordischen Völkerschaften war.

Dekorative Kunst. XXVII. n. August 1924

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