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KARL HAGENAUER-WIEN,
ASCHEN- UND BLUMENSCHALE, MESSING GETRIEBEN
Ausführung: Werkstätte Hagenauer, Wien
sieht, weil der Maler sich zum Alleinherrscher
der Szene aufwirft oder die Abstrahierung des
dichterischen Gehalts gar zu eigenwillige Formen
annimmt, nicht umhin können, die Aufrichtigkeit
des Wollens anzuerkennen.
Am besten hat das Darmstädter Landestheater
die Absichten der Ausstellungsleitung verstanden.
Es zeigt neben Bühnenbildern und szenischen
Entwürfen Grundriß-Skizzen und Rollenbilder,
an denen sich das Zustandekommen des Bühnenkunstwerkes
in einzelnen Etappen verfolgen
läßt. Was im Zusammenhang damit der künstlerische
Beirat dieser Bühne, Pilartz, aushängt,
gehört zum Markantesten der Ausstellung. Pilartz
versteht es, den Bühnenraum in strenger,
architektonischer Linie aufzuteilen, ohne daß
das dekorative Element die Dichtungüberwuchert
und erstickt und bleibt auch noch da geschmackvoll
, wo er gewisse Konzessionen an die Tagesmode
macht. Seine Skizzen zu Hamsuns Königin
Tamara, zu Richard III. und zur Antigone sind
in ihrer strengen Monumentalität und dem
Rhythmus der Linie in Wahrheit aus dem Geist
der Dichtung herausgestaltet. Pilartz geht bekanntlich
nach Köln, und wie sehr die dortigen
Vereinigten Stadttheater eine Blutauffrischung
in szenischer Hinsicht ertragen können, lehrt
ein Blick auf die Kölner Szenenbilder, von
denen lediglich die Entwürfe zu Eulenbergs:
Mächtiger als der Tod interessieren. Bochum-
Duisburg ist durch seinen bewährten Johannes
Schröder, der Reichtum der Phantasie mit einem
stark ausgeprägten Gefühl für die Farbe vereinigt
, vorteilhaft vertreten. Seine Entwürfe zu
Wildschütz, zu König Johann und den Nibelungen
, teilweise in plastischer Ausführung auf
kleinen Modellbühnen reden dafür eine beredte
Sprache. Auch der Bochumer Theatermaler
Holste erzwingt sich mit seinen ornamental
gesehenen Bildern zu Schillers Turandot Beachtung
. Ein eigenwilliges, aber keineswegs
bühnenfremdes Temperament ist Walter von
Wecus, der als künftiger künstlerischer Beirat
der Bayerischen Staatstheater berufen sein wird,
dem erschlafften Münchner Theaterleben neue
Impulse zu geben, wie es ihm gelang, durch
seine kühnen Inszenierungsgedanken die Aufmerksamkeit
auf die kleine Bonner Bühne zu
lenken. Von seinen Entwürfen bestechen die
zu Syrill am Wrack, zum Ring, zum Kätchen
und besonders die zu Woyzeck durch die Originalität
der Idee, und eine Beschränkung auf
das Wesentliche, die, gestützt durch die Farbe,
dem Stimmungsgehalt prägnanten Ausdruck verleiht
. Wecus verwandt ist Werner Schramm, der
mit einer außerordentlich reichhaltigen Kollektion
aufwartet. Der junge Duisburger Szeniker
hat zumeist für das Hamborner Theater gearbeitet
und verdient auf Grund seiner Proben einen
größeren Wirkungskreis. Schramm geht zwar
zuweilen in der Verleugnung der Bedingungen
und Gesetze der Bühne bis an die Grenze des
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