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KAY NEBEL
INDISCHE HIRSCHE
KAY NEBEL UND DIE WENDUNG IN DER MALEREI
Wer den Verlaut' moderner Kunft beobachtet
und die Fähigkeit befitzt, gegenwärtigem
Leben genau i'o wie den alten
Kunitabläufen iu gelalTenem Befchauen und als
gerechter Hütoriker gegeniiberzutreten, dem
wird nicht entgangen [ein, daß wir wieder an
•einer\\ ende liehen. Die Bewegung, wie lie in
Frankreich fchon etwa 1890 einfetzte mit van
Gogh und Gauguin, übrigens fchon damals be-
gleitet von einem I heoretifchen Programm, geht
feit 1920 ihrem Ende entgegen, fofehr lie auch
wie jede gefchichtliche Phale, ein — vielleicht
lehr pofitives — Nachleben erfahren wird. Die
ablaufende Epoche kann bezeichnet werden
.als die des Expreffionismus, der auf mbg-
lichite Abfolutheit der Form drängte, von dieler
aus die Objekte radikal bezwingen, bald fogar
austilgen wollte. Auch halle eine mörderifche
Dynamik eingefetzt, die Formen untereinander
in gewaltigen Kampf und Taumel bringend
und das getarnte Leben als \ ulkanismus lieh
widerfprechender Strebungen und Kräfte Verliehend
. Als mächtige Nahform war alle Er-
tcheinung groß in den Vordergrund des Bild
raumes gedrängt worden. Seit etwa 1920 ift in
fall allen Ländern Europas eine Gegenbew egung
fichtbar geworden. Sie fucht fiatt brandender
l)\ namik, fertigende, gehaltene Statik des Bild-
gefüges zu gewinnen. Sie will zu den abilrak
teil Formen eine Icharfe Gegeniläiidh'ehkeit zu-
rückerobern, ja ins Miniaturhafte überfteigern.
ohne das Großgefiige des Bildganzen im Stich
zu lallen. Sie w ill ferner das Nahbild mit dem
Auslaß in einen wieder realer genommenen
Raum verbinden.
Als Vertreter dieter Richtung fei hier Kay
Nebel eingeführt. Er ift wie alle Führer dieler
neuen Möglichkeit durch den Expreffionismus
hindurchgegangen, den er mm aber mit der
Magie der Gegenftändlichkeit zu verbinden
fucht. Nebel ift einer der jungen Profefibren
der KalTeler Akademie. ^ ieweit lieh feine
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