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KAY NEBEL
Bilder hallen werden, die bisweilen noch ins
Dekorative geraten, mag die Zukunft entfehei-
den. Jedenfalls verfugt er über lieberes tech-
nifches Können und eine eewifTe zügige ße-
ftimmtheit des Ausdrucks. Seine metallifch ge-
fchnittenen Kurven entbehren jeder Sentimentalität
und Schwammigkeit. Auch die flackernde,
geüternde Nervolität mancher Kokofchka-
Schule ilt hier nicht zu finden. In präzisem Flä-
chenlehnitt fitzen die For
men. \ ergleicht man die
„Reil er'- elw a mit Macke, lo
fühlt man den Unterfchied
der Stilflufe. Noch mehr
aber, wenn man den .,Stier",
die „Hirfche" oder die
„Kängurus" mit Tierbildern
etwa Franz Marcs \ ergleicht
. Gegen die abftrak-
teren Formen des reifen
Franz Marc ilt jene Gegenstand
verl chärfu ng eingetreten
. Gegen die an- und
ablpringenden Rhythmen
wird ein Stetigkeitsbedürfnis
in der Durch ludtung der
Flächen fpurbar. Damit hat
lieh auch die Rezeption
gewandelt. Liebte der J'\
preffionismus, lieh anzulangen
an die primitivfte
Kunft möglichft der Exoten
, fo zeigen die neuen
Bilder Abhängigkeit von
der Spätftufe des europäi-
fchen Mittelalters, weil (ich
hier eben ein Höhepunkt
für Verbindung von Ab-
ftraktionskraft mit Sach-
[chärfe befand. So ilt es begreiflich
, daß lieh ein Eild
wie die „Mü tterlichkeit" eng
an italienifche Quattrocento
-Malerei anfchließt und
das Gemälde „Schönheit"
lieb an die \\ irklichkeits-
intenfität etwa eines 13a 1
dung anzusaugen fucht.
Was die Farbe anlangt, der
lieh diele Rich tung und ins—
befondere Kay Nebel bedient
, fo ift zu lagen, daß
man großen Ehrgeiz darin
sucht, alle Hand Ich rift des Pinfels auszutilgen,
das Bild als ganz verobjektiviert zu entlafTen.
Die Farben find dünn, gleichmäßig, glatt, verlrieben
aufgetragen. An Stelle des Aufgerauhten
, Aufgewühlten ift die metallifch fchließende
Oberfläche getreten. Auch das erinnert an die
Haltung des Quattrocento fowohl des Nordens
wie des Südens. Statt fchwüler Farbakkorde in
moll tritt eine gekühltere Farbe ein, gleichlam
SCHÖNHEIT
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