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RUTH SCHAUMA^N
BEGRÜSSUNG
Blättern fand das von außen und von innen Ge-
fehene feinen Niederfchlag. Diefe Mappen lind
eine Chronik des zähen Anftiegs, die wohl
auch von Irren und ^ erfehlen, von verbilTeneii
Kämpfen mit einem und demfelben Gegenftand
erzählt, aber mit dem Fortfehritt der Zeit wird
die Höhe immer ftetiger behauptet, und auf
einigen der jüngften Zeichnungen (die Manier
in Rötel empfiehlt lieh nicht für die Wiedergabe
) ilt der durchwegs plaftifch verftandene
Gegenftand, frommer Menfch und frommes
Tier, mit denkbar Iparfamfter Linie von eigentümlich
liedhaftem Charakter bezwungen.
Das äußere .Leben und leine Noldurlt hat auch
Ruth Schaumami bei ihrem Aufflug auf den
Fittich gedrückt. Längft fchon war in ihrer Werk-
ftatt jenes bewegende Zeugnis ihres Berufes für
große Aufgaben zu fehen, von dem logleich die
Rede fein loll, als die Vorliebe der Käufer
immer noch die änfpruchloferen Weihwafier-
kellel begehrte, in denen die Künftlerin, fo viel
fie von ihrem echteften Leben darein verformt
halte, doch nicht zur befreienden Ausfprache
kam. Näher bei lieh felber ftand fie mit. der Gattung
kleiner Gruppen und Einzelfiguren, in der
fie erzählende Motive, feelifche Zuftände und
Vorgänge, Charakterzüge und moralifche Haltungen
verkörperte. Ihrer fünfzig ungefähr find
entftanden und als Terrakotten der Baftenfchen
Keramik-W erkftatt in alle \\ elt gegangen, bis
nach Petersburg und Japan. Da waren die munter
fchleppenden „Traubenkerle", die verdroflene
„Laune", der gefpreizte „Hochmut" und das
kleine W under von Innigkeit, das lieh nicht vergehen
läßt: die „Tröftung". Ein gedrücktes Seel-
chen in Kindes-Erfcheinung, filzend, mit Kopf
und allen Gliedern feinem W eh ergeben, erfährt
von einem andern, das zugebeugt es feine Nähe
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