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fühlen .läßt, allen Troll der hilfgewillten Güte.
Hier und in andern Beifpielen der Gattung entblößt
lieh aus dem lächelnden, zuweilen witzig
gefpitzten Scherz der Form — man darf (ich
an manche entwölkte Laune in unferer klaf-
(ifchen Ylulik erinnern— ein zart aus der Tiefe
herauf gefpie Ii er Gehalt an Leben.
Alle Gebilde Ruth Schaumanns lind handge-
I prochene Rede eines überw ältigten Menlchen
tums; durch alles geht die eine Melodie vom Geheimnis
jenes Größeren, das den Menlchen, den
es ergreift, dem er hinwieder ßch ergibt, vollends
erfl zum Menlchen weiht und adelt. lm\\ um
der der Gnade erlt, fo läßt lieh jedes Werk vernehmen
, komnil er zu (ich und über (ich hinaus.
\\ as man im Unglauben gern das Rein-Menfch-
liclie nennt, im verwandten Bereich des heroi-
fchen Ideals den Ubermenfchen, das Fauftifche
oderPrometheifche, das liegt dief er Kunft fo fern
und entgegen w ie Pol dem Pol. V\ as immer den
N amen des Lebens trägt, wird in feiner Bezogen-
heit auf den heiligen Spender verftanden, ihm
noch nahe bei feinem quellenden Ausgang oder
wiederum nahe bei der Mündung zurück zu ihm.
So kommt es, daß Form und Gehaben des Kindes
, Unfchuld und Einfalt vor Gotl, diefer K null
der benedeiten Kreatur den Grundton geben.
Das vitale Leben wird am liebften dort erfaßt,
wo es harmlos und befriedet feinen Atem zieht,
beim ruhenden Lamme, beim fchiafenden Säugling
, in der halberwachten Menfchenknofpe, die
nichts als fromme Erwartung des Künftigen ift.
Eine Kunft von mütterlichem Grundgefühl, die
denMenfchen nur als den Gegenftand Gottes begreift
, ift religiöie Kunft im reinen Sinne. Sie
hat in ihrer Hillen Floheit nichts gemein mit
der umgekehrten Weife, die lieh den gleichen
Namen anmaßt, weil ihr das Göttliche und Heilige
als auch ein Gegenftand unter Gegenlländen
gelegen kommt; lie hat auch nichts zu fchaffen
mit der fchmierigen Apotheofe der Kunft zur
Religion.
Ahnungsvolle Deuter der Zeil haben vor zehn
und zw anzig Jahren fchon im Hinblick auf die
religiöie Aufgabe der Kunft die Hoffnung aus-
gefprochen, die heute lieh zu erfüllen Ich eint: daß
der Geilt des Chrifteutums im Gehaben menfeh-
licher Erfcheinung vor die Sinne treten werde.
I [ierin ift,wieicb glaube, auch Ruth Schaumanns
Sendung zu fehen. Fromm bis in den Kern und
Keim ift die Seele ihrer \\ erke — naturaliter
chrih ia na. DasW ort der Bergpredigt ift in ihnen
Fleifch geworden. DieSeligkeil der inwendig Arid
FH SCHAUMANN TÖRICHTE JUNGFRAU
Die Kunst für Alle. XXXX,
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