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wieder, treten Begabungen auf, die in der Noi
der Wahl find, in welcher der künftc fie lieh
ausfprechen follen.
Ich kann es mir erlaJOTen, die Anwendung zu
machen auf die Erfcheinung Kulh Schaumanns.
Sie iit mit ihrem religiöTen Expreffionismus,
auch mit ihrem \\ ettdrang der bildnerifchen,
Lyrifchen und aus irgendwelchen Gründen nur
unterdrückten tänzerifchen Entfaltung ein Zeichen
der Zeit. Ich glaube: ein Zeichen. delTen
wir uns zu freuen haben. Mag mancher heute
meinen, die Stunde der knüll überhaupt habe
fchon ausgefchlagen, und mag die Zahl der im
Hegelfchen Sinne abfoluten Menfchen, die der
Kunll nicht mehr bedürfen, im Wachfen lein:
die Gärung des Expreffionismus beweifl in hu Ii
liehe Bewegtheil und alfo Jugend. Sollte aber
diefer Auftrieb junger Inhalte nicht wiederum
und noch einmal zu der fabbatlichen Stunde
einer Klaffik führen, in der der künftlerifche
Kampf von Menfch und Ding in \\ erken des
Ausgleichs zur Ruhe kommt, fo trägt doch Expreffionismus
gerade der befprochenei] \rl einen
religiöfen Gehall heran, bei dem die Reifitenfich
ohne kunll befcheiden können. Sie werden dann
wie Ruth Schaumann lagen:
Denn in jedem Eeben
Bleibe ich doch dein —
l nd ich will \ ergeben
Ohne I iohnmig fein.
Jofeph Bernhart
RUTH SCHAUM \W
DER JÜNGSTE
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